Filter Live im Kulttempel, Oberhausen

 

[ For the English Version of this insanely long and completely biased post, you will soon be able to click this link. It’s not a link yet, but as soon as it is, please click it! Just need to figure some details out. ]

Wow, da hab ich mir ja jetzt etwas richtig Kreatives einfallen lassen für die Überschrift, Chapeau. Ich konnte mich schlichtweg bis zum Schluss nicht entscheiden ob ich „Wir werden auch nicht jünger“, „The End is The Beginning is The End“ oder „Traurige Hosen“ nehme, Letzteres hätte ich auch sehr gerne, aber es würde dem fantastischen Konzert, das gestern abgeliefert wurde, einfach nicht gerecht werden.

Ich weiss auch noch gar nicht, wo ich anfangen soll. Am Besten [ da, wo ich zuletzt aufgehört habe ].

Der Urlaub war schnell eingegeben und widerwillig bewilligt und dann war es letzten Montag ja schon so weit. Meine Physiotherapeuten hatte statt des üblichen Nervenbündels ein hibbeliges Nervenbündel auf der Bahre liegen und wir waren alle nur mittelmäßig begeistert davon, dass ausgerechnet an dem Tag auch noch die Vermessung meiner Beine anstand für den Kliniktermin am nächsten Tag.

Ich hatte meine Reisetasche schon dabei und fuhr von der Praxis direkt zum Hauptbahnhof, wo ich noch eineinhalb Stunden totzuschlagen hatte, bis mich der Zug nach Oberhausen abholen würde. Ich deckte mich ein mit Reiseproviant, den ich natürlich noch fast jomplett vor der Abreise konsumierte. Nur ein halb gegessenes Laugenbrötchen sah am Ende überhaupt noch das Innere eines Zuges.

Ich hatte einen Sitzplatz reserviert, was ich für weise hielt, denn heute wollten bestimmt alle nach Oberhausen.
Alle!
Bestimmt!

Der Zug war leer. Und Oberhausen auch. Zumindest kam es mir so vor, als ich den kurzen Weg vom Bahnhof zum Hotel zu Fuß hinter mich brachte. Ich schmiss meine Reisetasche auf das 80 x 130 cm große Hotelbett, an dessem Fußende eine Duschkabine stand, zog ein frisches Star Wars-T-Shirt an (mein erstes Filter-Konzert ohne Filter-T-Shirt -aus Gründen. Siehe nächster Absatz.)  und machte mich wieder auf die Socken.

Es war erst 16 Uhr und ich hatte noch drei Stunden bis zur Türöffnung. Drei Stunden bis zur letzten Türöffnung zu Filter. Vier Stunden bis zum letzten Konzert von Filter. Und – das wusste ich da aber noch nicht – sechs Stunden bis zu meiner letzten Begegnung mit Richard Patrick.

Da ich das ja schon vorher wusste und ich mich psychologisch komplett erfolglos versuchte, darauf vorzubereiten, habe ich mir zusätzlich zum Konzertticket über [ Official FILTER ] ein VIP-Ticket geholt. Im VIP Ticket sind drin: Ein T-Shirt, ein Meet & Greet mit Foto-Op und dieses coole Ding hier:

Und wie ich auf Instagram geschrieben hab: YOLO und so.
Denn selbst wenn es nicht das letzte Mal ist, dass Richard Patrick seinen Hintern nach Europa bewegt, ist es vielleicht mein letztes Mal, man weiss ja nie.
Die Lippenstift Abdrücke auf der Toilettenwand dahinter stammen nicht von mir und ich halte es für recht wichtig, das zu erwähnen.

Nun, jedenfalls hatte ich Zeit totzuschlagen bis zum Konzert und was macht man so in Oberhausen, wenn man Zeit hat? Richtig, gar nichts. Denn auf meinem Weg quer durch die Stadt, die Hauptstraße entlang, der etwa 20 Minuten in Anspruch nahm, begegnete mir nichts außer gruslig aus den 70er Jahren übrig gebliebenen Antiquitäten- und Lampenläden. Die nicht sehr liebevoll gestaltete aber immerhin ganz schön alt wirkende Marienkirche wurde dadurch sogar zur wilkommenen optischen Ablenkung.
Und diese lustige Statue:

Ich suchte den Veranstaltungsort schon Mal auf, denn Reconnaissance ist ein wichtiger Teil jeder Mission, habe ich in Splinter Cell gelernt. Dort war aber genau gleich viel los wie im Rest von Oberhausen. Ich setzte mich in die McDonalds Filiale, durch deren Drive In man gehen muss, wenn man den Kulttempel erreichen möchte. Ich verarsche euch nicht. Oberhausen-Logik.

Dort gab es W-Lan, Sprite und eine gute Handyverbindung. Die beste Grundlage um noch viel mehr Zeit zu verbringen statt nur ein paar Stunden. Da der einzig mögliche Fußweg zum Kulttempel wirklich über die McDonald’s Drive In Einfahrt führte, wartete ich ab, bis ich ein paar Metalheads zielstrebig am Fast Food-Laden vorbei gehen sah, bis ich das Handyladegerät aus der McDonald’s Steckdose zog und mich aufmachte.

Bei der Türöffnung waren dann schon immerhin 7-8 Leute anwesend und drinnen meldete ich mich sofort bei der netten Dame am Merch-Table um mich als VIP anzumelden. Mir sind solche Sachen immer unangenehm, aber ich versuche mich im Moment ein bisschen an Selbsttraining, um zu lernen, meine Angst vor Interaktionen mit anderen Menschen zu verlieren.

Angekündigt war das Konzert mit Special Guest. Ich vermutete ja, dass es Rabia Sorda sein würden, weil sie ja den Europa-Tour-Kick-Off in Berlin supportet hatten und ich lag goldrichtig. Also die kann man jetzt absolut problemlos drei Mal sehen. Deren Musik und Darbietung macht einfach Spaß und wenn man jedesmal die Vorfreude auf Filter noch im Bauch hat, verbindet man die mittlerweile vertrauten Klänge automatisch mit etwas Gutem.

Nach der Vorgruppe dauerte es nicht lange, bis die Band ihr Equipment aufgestellt hatte und das Intro zu „The Take“ aus den Lautsprechern schallte.
War ich glücklich und voller Freude auf die kommenden paar Minuten?
Absolut.
Waren im gesamten Saal nur unter 100 Leute verteilt?
Wahrscheinlich.
War ich innerlich bereit für mein letztes Filter-Konzert?
Auf keinen Fall.

Die geplante Setlist, die aber dieses Mal so weit weg hing, dass ich sie nicht lesen, aber die Songs immerhin von der Länge der Zeilen her erraten konnte, sah wie folgt aus:

Ich werde jetzt keine Worte über die außerordentlich hässliche Font verlieren, aber sie trug tatsächlich die alleinige Schuld daran, dass ich am Ende des Gigs die Setlist einem anderen Fan überliess.

Wie immer aber wich man ein bisschen von der Papiervorgabe ab. Nach „The Take“, dem üblichen Starter ging es musikalisch direkt rüber in die Anfangsklänge von „(Can’t You) Trip Like I do“. Dann hörte ich zum letzten Mal mein Lieblingslied „You Walk Away“ live und mit den herausragenden beiden Songs aus „Crazy Eyes“ ging es wild weiter und obwohl die Stimmung bei „Head of Fire“ noch sehr verhalten war im restlichen Publikum, gingen die Leute bei „Kid Blue“ dann schon ordentlich mit und ab „Jurassitol“ fühlte sich der Kulttempel an, wie ein gut ausgefüllter Metal-Gig.

Dann folgten noch mehr „Crazy Eyes“, so wie sie in der gedruckten Setlist aufgeführt sind. Und seht ihr da, was ich sehe? Ja, auch „Welcome To The Suck“ war wieder drauf und jetzt ratet Mal, welches Lied an diesem Abend auch tatsächlich gespielt wurde?
Right on.
„Welcome To The Suck“.
Live.
Der Wahnsinn.

Ich mein hört ihr das? So verdammt exakt und gut gesungen, das Ding. Und es ist ein schweres Ding. Damn.

Danach folgte ein kurzes Intermezzo. Ich hatte auf Facebook schon gelesen, dass Chris Reeve, der Drummer seinen Geburtstag feierte und ihm deswegen vor dem Konzert schon gratuliert, als ich ihm begegnet war und jetzt erhielt er auf der Bühne sogar noch eine Torte und ein Ständchen und ganz viele Herzungen der Fans und Bandkollegen. [ black-cat-net ] hat diesen Schnappschuss davon geschossen und er gefällt mir unbeschreiblich gut:

Nach den Geburtstagsglückwünschen für Chris und die tolle Frau, die an dem Abend den Merchandise-Stand betreute, kam eine für mich ziemlich große Überraschung:
„Take A Picture“.
Den Song hatte ich seit 2011 in der Markthalle nicht mehr Live gehört und damals verliebte ich mich ja in Filter. Und ich hatte zufälligerweise sogar die Single davon mit, aber mehr dazu später.

Auf das 2. „Take“ des Abends folgte auch gleich das 3. mit „Take Me To Heaven“. Mit diesem und „Mother E“, das darauf folgte, haben wir an diesem Punkt fast das komplette „Crazy Eyes“-Album gehört. Fehlen nur das vergessene „City of Blinding Riots“ (mehr dazu später), „Tremors“ (wie „Welcome To The Suck“ nur schwieriger für ALLE daran beteiligten Musiker) und „Under The Tongue“.

Und weil ich das bisher nicht gemacht habe, möchte ich an dieser Stelle ein paar Worte darüber verlieren, vielleicht vermag ich dadurch dann Anfang nächsten Jahres meine Spotify-Auswertungen besser erklären.

. . . : : :    INTERMEZZO    : : : . . .

(bitte beim Lesen anhören)

 

„Crazy Eyes“ ist aus meiner Sicht nicht nur das beste Filter-Album oder das beste Album dieses Jahres, es ist vermutlich das beste Album dieser ganzen Generation. Und ich werde euch jetzt womansplainen, wieso:

Das Werk, das von Haydon Benfield auf [ renownedforsound.com ] mehr als „Sammlung einzelner Lieder als ein Album“ bezeichnet wurde, beginnt mit „Mother E“.
Da ich die Kreation des Albums auf PledgeMusic.com unterstützt hatte, war dies der 2. Song den ich auf die Ohren gekriegt hab und ich war überfordert hoch zehn. Nach „The Sun Comes Out Tonight“, das sehr poppig, etwas kommerziell angehaucht (nicht im negativen Sinne) und melodisch Gitarrenlastig daherkam, forcierte sich „Mother E“ mit einer Agressivität in mein Trommelfell, dass ich den Song erst einmal gar nicht mochte. Warum ist er so wütend?

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Tatsache ist, die Welt ist an einem schlechten Ort. Und dieser ganze Ärger, der Schmerz und die Traurigkeit, die ich auch verspüre, wenn ich in den Nachrichten von einem neuen Mord an einer Person of Color höre oder von einem neuen Amoklauf, genau das spiegelt sich hier mit voller Härte und dem – aus Verlegenheit an einem besseren Begriff – typischen Filter-Schrei wieder und ich konnte die ersten Monate gar nicht damit umgehen. Erst als der Juni und die Konzerte näher rückten, hörte ich den Song immer und immer wieder und irgendwann freute ich mich einfach nur noch unverholen darauf, genau diese Musik demnächst Live erleben zu dürfen.

„Nothing In My Hands“ und „Pride Flag“ machen mit demselben Schweregefühl des aktuellen Weltschmerzes (es ist ja seit 2015 eine dermassen beschißene Zeit, anders kann man es nicht ausdrücken) weiter, kombinieren die härteren Riffs und die geschrienen Vocals aber mit harmonievollen Melodien.
Genau. Mein. Ding.

Die Lyrics dieser 3 Anfangssongs beinhalten wichtige Nachrichten und sie zwingen einen positiv dazu, hinzuhören und nachzudenken. Sebastiano Mereu schrieb für [ albumsthatrock.com ]

The world is in a bad place right now and Richard Patrick is holding a mirror in our faces.

Lied 4 ist dann auch schon das in Oberhausen vergessen gegangene „The City of Blinding Riots“ aber ich durfte elektronisch lastigeren Track in Berlin und Hamburg Live erleben. Trotz der monotonen und fast schon repetitiven Gitarrenlicks kommt der Song mit einer Smoothness daher, die sehr gut in den nächsten Track überleitet:

„Take Me To Heaven“. Das erste Stück aus dem neuen Album, das ich kennenlernen durfte weit vor Release und ich war hin und weg und freute mich ab dem Moment nur noch. Ich hatte anfänglich vielleicht noch ein bisschen die Befürchtung, dass das einer der härteren Songs des neuen Albums werden würde, da die CD davor ja einiges sanfter und Radiostandartisierter daher kam, aber darin lag ich ja zum Glück einmal mächtig falsch.

„Welcome To The Suck (Destiny Not Luck)“ war anfänglich nach den ersten paar Mal durchhören mein Lieblingssong des gesamten Werks. Die apokalyptische Harmonie erinnerte mich ein bisschen an Rouelle, die ich kurz zuvor entdeckt und in die ich mich musikalisch verliebt hatte und die dramatische Orchestration in Kombination mit Richards harten Vocals verschaffen mir jetzt noch eine Gänsehaut, wenn der Song in einer Playlist unvermittelt auftaucht. Und die Lyrics trafen mich die letzten schweren Monate über pfeilgenau mitten ins Herz.

Pick up your courage
Wake up your soul
Dust off the pieces
This pain’s too old

Welcome to the heartache
Welcome to the suck
Feel your heart is burning
Destiny not luck.

Nun, auf jedem Filter-Album gab es bisher ein bis zwei Songs, die ich stets übersprungen habe. Vielleicht wiel sie mir zu weich waren, oder weil mir der Refrain nicht gefiel, oder weil ich bei ihnen einfach nichts Spezielles verspürte. „Head of Fire“ war einer davon, bis ich ihn in Berlin zum ersten Mal Live gehört hatte. Danach war es auch da um mich geschehen und mittlerweile gehört er sogar zu meinen Favoriten. Der Refrain ist für mich „Classic Filter“ und reisst einen erinnerungstechnisch direkt zurück in die Epoche von „Title of Record“.

„Tremors“ ist mein anderes Lieblingslied. Und ich liebe es auch auf eine ganz andere Art als „Welcome To The Suck. Das Tempo, die Energie, die „schwimmende“ Gitarre und dazu die definierte Strophe, die fast fließend in den Breakdown-mäßigen Refrain übergeht … Ich bin jetzt gerade wieder so hart begeistert, ich kann den Satz nicht einmal beenden. Dann holt die Brücke euch in der Mitte nocheinmal auf den harten Boden der Tatsachen zurück, um dann mit den fast schon „verzerrt“ wirkenden Klängen zu einem Hammer-Ende zu kommen. Das war auch der Song, bei dem ich am gespanntesten auf die Lyrics gewartet habe, die im CD-Booklet dabei sein würden und am Ende waren sie nicht drin.
Wäre ich klug, hätte ich Richard gefragt, ob er sie mir aufschreibt, aber leider wurde ich in meinem Körper mit meinem Gedächtnis geboren. Mein Pech.
Aber der Song hat es tatsächlich geschafft, „You Walk Away“ für eine ganze Weile vom Thron zu verstoßen.

„Kid Blue From The Short Bus, Drunk Bunk“ schmeisst einen zurück in die „Dose“-Zeit. Und das ist eine gute Sache. Hier hört man den guten alten industrial Metal, der bei mir wieder dazu führte, dass ich mich mehr auf diese Tour gefreut habe, als auf irgendetwas in meinem Leben. Traurig, eigentlich. Aber hier ist es.

„Your Bullets“ ist deswegen der perfekte Folgesong, er haut direkt in die selbe Kerbe rein und das mit einer Wucht, wie ich sie emotional nur bei Filter erlebe. Es ist das „Captain Bligh“ der heutigen Zeit und ein unbedingter Grund dafür, meine Aussage vom Anfang zu untermauern. Und wenn es nicht das Album dieser Generation ist, ist es auch noch das der Nächsten.

Der längste Song auf dem Album ist „Under The Tongue“. Auch diesen durfte ich vor Release schon erleben und auch bei diesem war ich mir nicht sicher, was ich davon halten soll. Mir hat der Kontext gefehlt. Mit der Umrahmung von „Crazy Eyes“ und an dieser Stelle des Albums ist er genau da, wo er hingehört. Alleinstehend kam er mir undynamischer vor und repetitiv, aber jetzt erkenne ich die unterschiedlichen Arrangements und die unterliegende Stimmung des Songs. Er führt direkt in den Abschluss des Albums

„(Can’t She See) Head of Fire, Part 2“, ein ganz, ganz schönes, feines Stückchen Melodie, wunderschön gesungen und wieder mit viel Schwere und Traurigkeit. Ich liebe es, wenn Musiker ihre eigenen Songs mit einer kurzen Reprise oder einem Interlude kurz besuchen. Tatsächlich gehören diese dann meistens zu meinen Lieblingssongs auf den entsprechenden Alben und dies ist keine Ausnahme

Abschliessend bleibt nur zu sagen, „Crazy Eyes“ ist das Gegenteil davon, was ich erwartet habe. Obwohl ich unter anderem natürlich durch meine recht späte Geburt am hinteren Ende der 80er (bedankt euch bei meinen Eltern) verhältnismäßig spät auf den Filter-Zug mitaufgesprungen bin, habe ich die Phasen nacherlebt und mitgemacht und obwohl die Alben für mich kontinuierlich besser wurden, hat sich „Crazy Eyes“ auf wundersame Weise nochmal mit einem gigantischen Vorsprung an der Spitze abgesetzt. Das Album bringt Filter nicht nur zur ältesten und höchsten Stärke zurück, sondern trägt noch darüber hinaus und ich bin einfach nur froh, dass es diese Musik gibt.

(Musik jetzt bitte wieder ausmachen, Danke.)

. . . : : :    [ / INTERMEZZO ]    : : : . . .

Als vorerst letzter Song war der Klassiker und – ich will Mal meinen bei eigentlich allen Filter-Konzerten, die ich bis jetzt besucht habe – Publikumsliebling „Welcome To The Fold“. Danach verabschiedete sich die Band.

Und kam dann wieder, zusammen mit den ersten Klängen von „American Cliché“. Das war aber ein Fehler von Bobby, leider, leider, denn statt meines 2. Lieblingssongs von „The Amalgamut“ kam „No Love“ auch einer meiner Favoriten, allerdings noch nicht einmal der beste Track von „The Trouble With Angels“, aber dankbar angenommen von den Fans im Kulttempel. Noch dankbarer war dann natürlich das fulminante Filter Finale (diesen Satz hab ich von RTL geklaut) mit dem „Africa“ Filters: „Hey Man, Nice Shot“.

Hjoa, und dann war es vorbei. Das letzte Filter-Konzert meines Lebens. Ich war sehr, sehr glücklich, völlig erledigt, extremst durstig und hatte Schmerzen am Handgelenk, wo mich eine (ich bleibe Mal höflich neutral) „Konzertbesucherin“ mit ihrer Scheiß-Kippe, die sie unbedingt im Pit rauchen musste, verbrannt hat. Danke für die zweite Arschloch-Narbe meines Lebens. Die erste stammte von meinem Agro-Karnickel Catussaba, das mir (ebenfalls) beim rumzappeln Mal fast die Pulsadern aufgekratzt hatte.

Ich begab mich zum Merch-Stand, wo ich für das Meet & Greet abgeholt werden soll (VIP-Gast, ihr erinnert euch). Dort traf ich die anderen beiden VIPs kennen, zwei junge Männer, einer aus München, einer aus Frankreich. Wir warteten etwa 10 Minuten, während dieser mir der superliebe Barmann Eis brachte für mein Handgelenk, wo sich aber schon hässliche Blasen gebildet hatten.

Dann ging es ab nach hinten in den Backstage-Bereich, wo wir uns Richard Patrick vorstellten und umgekehrt. Der Gute nahm sich über 40 Minuten Zeit und unterhielt sich mit uns über alles Mögliche. Ich würde hier jetzt gerne auf alle Punkte Bezug nehmen, die ich in der vollen Länge dieses Blogeintrags angesprochen habe, aber ich bin gerade zu faul, den nochmal zu lesen, deswegen trage ich das dann vielleicht irgendwann nach.
Vielleicht.Irgendwann.

Der junge Mann aus München fragte als allererstes, ob dies jetzt wirklich das Abschiedkonzert gewesen war. Richard beantwortete die Frage nicht direkt, aber er sagte, dass heute in Oberhausen 75 Leute anwesend waren (ob die Band miteinberechnet war, hab ich nicht gefragt). Diese Tatsache erwischte mich dann doch etwas hart, ist das doch extrem wenig, wenn man bedenkt, dass 2011 der größte Saal der Markthalle komplett gefüllt war. Und für ein Abschlusskonzert einer so guten und fantastischen Band ist das einfach zu wenig.

Ich sprach ihn (unter vielem, vielem anderen) darauf an, dass ich heute endlich in den Genuss kam, „Welcome To The Suck“ live zu hören. Das brachte ihn zum Lachen, als ich aufzählte, wie ich in Berlin und Hamburg ganz hibbelig darauf gewartet hatte. Wenn ich das richtig verstanden habe, hat er ihn heute zum allerersten Mal live gespielt und war über die Reaktion des Publikums auch gespannt.

Ach wir redeten noch über so viel mehr. Kaputte Hosen, verkaufte Jacken, Reue, Jaime King, Teleprompter, Videoshows, Bandanas, Combichrist, The Trouble With Angels, Pledge, den Münchener Gig, e-Zigaretten, Brexit, Jim Carrey, seine Gitarren, seine Kinder, frühere Tours, körperlicher Zerfall, Trollos CDs, den furchteinflößenden riesigen Typen der da herum rannte, Lyrics, altgermanische Kunst, Gleitsichtbrillen, Poster, Blade Runner, graue Haare, die Holstenbrauerei und die Heimfahrt.

Als Richard dann zum dritten Mal zum Tourbus gebeten wurde, weil sie sich dringend auf nach Berlin machen mussten, um den Flieger um 6 Uhr Morgens zu kriegen, verabschiedeten wir uns und es fühlte sich für mich so an, als hätte ich gerade Tschüss gesagt, zum letzten richtigen Rockstar meines Lebens.

Die 1 wahre Setlist:

The Take
(Can’t You) Trip Like I Do
You Walk Away
Head of Fire
Kid Blue
Jurassitol
Your Bullets
Pride Flag
Nothing In My Hands
Welcome to the Suck
Happy Birthday, Chris Reeve & Merch Lady
Take A Picture
Take Me To Heaven
Mother E
Welcome To The Fold
–//–
No Love
Hey Man, Nice Shot

 

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Oben: 18.08.2013 Knust, Hamburg –//– Unten: 04.07.2016 Kulttempel, Oberhausen

Wir werden eben beide nicht jünger.
Vielleicht sollte ich meine nicht vorhandene Karriere als Bloggerin auch langsam an den Nagel hängen…

 

 

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