Listen To Sherlock!

schreibntraumi3

Ich habe es mir auf meinem Sofa zu Hause bequem gemacht. Es ist nicht ganz mein neues zu Hause, sondern eine Mischung aus meiner Wohnung und unserer zweiten Wohnung in Männedorf, am Zürichsee, wo ich aufgewachsen bin.

Ich schalte den Fernseher ein, will etwas gucken, aber ich bin nicht mehr zu Hause auf dem Sofa sondern sitze in einem riesigen Theater. Plötzlich wird es dunkel. Das Publikum und ich sitzen – immernoch im Theatersessel – mitten in einem dunklen Wald und vor uns stehen die vier Schauspieler und sprechen über den Mörder. Das Freilicht-Theater bei Nacht und Nebel ist auf Englisch und der „Culprit“ (Täter) wird von den Darstellern „The Jester“ (der Hofnarr) genannt.

Im blauen Licht des nebligen Waldes stehen Benedict Cumberbatch, der Sherlock verkörpert, Tom aus Downton Abbey (wohlbemerkt, nicht Allen Leech, denn ich kenne den Schauspieler gar nicht), der den Inspector spielt, DI Lestrade aus Sherlock, der die Rolle des Detectives in sich hat und eine vierte Person, die ich nicht kenne oder beschreiben kann und dessen Rolle mir im diesem Stück nicht bekannt ist. Der Plot des Stücks klingt recht simpel: Jemand wurde in diesem Wald ermordet und die vier müssen den Täter finden. Das Gespräch zwischen ihnen endet und das Publikum klatscht, es geht in die Pause.

Doch bevor das Licht angeht und nachdem der Applaus verstummt, richtet sich der Vierte, Unbekannte, an das Publikum. Wir sollen bestimmen, wie das Stück nach der Pause weitergeht: Die Möglichkeiten sind die vier Windrichtungen:

Er selbst (er trägt übrigens ein Ober-Outfit, wie Alfred in Batman Forever) sagt, es geht nach Westen, einem „Spectre“ (Gespenst) folgend, direkt zum „Jester“. Das Publikum applaudiert. Wird die Option gewählt, die den meisten Applaus erhält? Ich bin mir nicht sicher, ich wohne zum ersten Mal so einem Freilichttheater bei. Ich klatsche nicht. Eine Frau aus dem Publikum, die weiter vorne rechts sitzt (die Publikumssessel sind in einem Kreis inmitten der Waldlichtung angeordnet) steht auf, sie sagt laut „I think we should follow the Detective, because he’s cute.“, das Publikum klatscht wieder.

Die blonde Frau mit der weißen Seidenbluse neben mir erhebt sich: „We should go with the Inspector, towards the lake, where the body could have been hidden and“-… sie will noch weitersprechen, doch ich unterbreche sie, ich stehe jetzt selber und frage laut und entrüstet ins Publikum

„When did we stop listening to Sherlock?!“

Niemand applaudiert. Das Licht geht an, die Leute verlassen ihre Sitzplätze um sich Snacks und Getränke zu holen. Ich berühre die Dame in der weißen Bluse entschuldigend am Arm, weil ich sie unterbrochen hab, doch sie lächelt mir freundlich zu.

Als ich mich in Richtung Bar bewege um vielleicht ein Eis oder was zu Trinken zu holen, werfe ich einen Blick über meine Schulter, der Wald ist leer, die Darsteller sind weg. In der wohlverdienten Pause womöglich.

 

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