Ein perfekter Plan

„Auftragskiller ist kein Beruf für Kinder.“

Dem konnte ich nur beipflichten. „Was machen wir also mit den drei Nasen?“ Ich zuckte mit den Schultern. Wir können demonstrieren, wie es aussieht, wenn ein Drogen-Deal daneben geht. Und ich meine, so einen richtig großen.
Mein Vorschlag. Mein eigener. Die vier Männer blickten mich an.
„Wir inszenieren ein Dinner. So richtig „Der Pate“ mäßig.“ Ich habe keinen der Godfather-Teile je gesehen, aber ich pflichte zu.

Beim Dinner stellen die drei Kinder, die im Rahmen des Girl’s & Boy’s Day’s (so viele Apostrophs, das kann nicht richtig sein, aber egal, ich träume) ihre Eltern, Verwandten oder Bekannten an deren Arbeitsplatz besuchen eine Menge Fragen. Sie sind neugierig, aufgeschlossen und involviert. Aber sie dürfen diesen Weg nicht einschlagen. Sie sind jung, sie können alles werden! Also bitte keine Schwerverbrecher!

Das Gespräch kippt. Wie abgesprochen. Ich reiße einen Streit vom Zaun mit Tig Trager. In Gedanken erinnere ich mich daran, dass ich „Sons of Anarchy“ noch weitergucken wollte. Warum hab ich das bisher eigentlich nicht getan? Der Streit ist abgesprochen, auch wenn die Absprache niemals stattfand. Er sieht besorgt aus. Er sieht immer besorgt aus, das ist einfach sein Gesicht. Der Streit eskaliert. Die Kinder sehen verängstigt aus. Sehr gut. Eigentlich sind es schon eher Jugendliche. War ich mit 14/15 auch schon so groß? Auf jeden Fall hatte ich nicht so viel Stil. Es wird immer lauter. So hatten wir das geplant. Es wird heftig diskutiert, ein Haufen Geld liegt auf dem Tisch. Keiner isst mehr. Alle stehen.

Plötzlich zieht mein großer, bulliger Kollege neben mir eine Handfeuerwaffe aus der Tasche seines schwarzen Kapuzenpullovers. Eine echte Pistole, sehr gut, das wird den Kiddies den letzten Spaß an der möglichen Verbrecherkarriere verderben. Ich blicke wieder hinüber zu Tig, er blickt zu mir, er ist Schweißgebadet. Ich kriege noch mit, wie er vehement „Nein!“ ruft, dann höre ich mich selber laut „Nein!“ rufen. Schützend hebe ich die Hand vor meine Brust, doch mein Kollege drückt ab.

Ich spüre keinen Schmerz, als mich die Kugel in die Brust trifft. Ich sinke gegen die Wand hinter mir. Alle Stühle sind umgeworfen, die drei Kinder halten sich zu Tode verängstigt an einander fest zu meiner Linken. Meine rechte Hand gibt es nicht mehr. Das muss schrecklich aussehen, was für eine Sauerei. So war das nicht geplant und so ganz kann ich nicht verstehen, was hier gerade passiert. Mein Kollege hebt die Waffe erneut, Tig und die anderen stehen da, wie angewurzelt. Ich atme schnell, ich spüre, wie gerade sehr viel Blut hochmotiviert meinen Körper verlässt. Er erschießt die niedliche Kellnerin.
Keine Zeugen. Ganz richtig. Aber warum ich? Ich bin keine Zeugin! Ich gehöre doch zum Team! Mein Kollege hat sich wieder mir zugewandt, ich spüre, dass er mir die Waffe an den Kopf gesetzt hat.
Das ist richtig.
Der Sicherheitschuss.

Ein dumpfer Knall.
Aufgewacht.

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