STUFF YOU DIDN’T KNOW: DIG

digbannerSo, obwohl es in erster Linie um eine aktuelle TV-Serie geht, gehört das Folgende in die [ STUFF YOU DIDN’T KNOW ]-Rubrik, in der ich über Dinge klugscheiße, die mich ganz fürchterlich interessieren, so wie Musik, Gemälde oder Mythen und Sagen.

Zu Letzterem gehört auch nämlich auch Religion, für die ich mich sehr interessiere, vor allem für christliche und jüdische. Leider habe ich meinen Berufsweg zur Archäologin und Theologin aufgegeben, weil ich Angst vor dem großen Latinum hatte, aber es stellt sich raus, dass das, was ich in der Schule gelernt hab, immerhin noch als Klugscheißerlatein durchgeht und im wahren Leben völlig ausreicht.

Also, falls ihr noch nie von der Serie „DIG“ gehört habt, ist das nicht so schlimm, denn sie ist eigentlich nicht sonderlich gut – dachte ich jedenfalls nach dem Piloten.

Lasst mich den Plot des Piloten einmal kurz umschreiben (könnte Spoiler enthalten): Amerikanischer FBI-Agent mit diplomatischer Immunität (warum auch immer) in Israel („warum auch immer 2“) flirtet mit einem wunderhübschen rothaarigen Mädchen, das (oder weil es) seine Tochter sein könnte. Sie wird am nächsten Tag ermordet aufgefunden (Wow, Überraschung) und der Agent Schrägstrich Supersportler Schrägstrich vom Tod seiner eigenen Tochter gezeichnete (hier wird es tatsächlich schon ein bisschen interessant) Ex-irgendwas Wichtiges steht plötzlich im Zentrum der Mordermittlung, die er selber zu übernehmen versucht. Ach ja und dann ist da noch die zweite Storyline über einen merkwürdigen Kult um ein Kind namens Joshua und eine dritte über eine niedliche kleine Kuh. Ich war nach dem Piloten nur mäßig begeistert, bis gar nicht. Der Storyaufbau ist irgendwie vorhersehbar, die Kuh ist für irgendwas wichtig, der kleine Junge für den Kult und der Protagonist ist mal wieder ein vom Schicksal gebeutelter, mittelalter, weißer Mann.
Wow. So neu. Much Kreativität. Very niemals zuvor gemacht. Wow. (Okay, unfair, denn ich habe die Serie nur angefangen zu gucken, weil Jason Isaacs [ hier mal beiläufig erwähnt ] die Hauptrolle spielt und ich seit „The West Wing“ keine Serie mit ihm drin geguckt hab.

Nun, aufgrund der Tatsache, dass ich mich hingesetzt hab, einen Blogbeitrag über diese Serie zu verfassen, muss sie mir ja doch irgendwie gefallen, oder? Das tut sie mittlerweile auch. Und ich glaube, das wird sie auch noch eine Weile. Denn das wirklich interessante daran ist nicht die Story (die in Folge zwei und drei nicht extrem viel weniger vorhersehbar wird), sondern der Spaß, den die Autoren offenbar mit dem Thema hatten. Und was das genau ist, hat Kimberly Winston für den [ Religion News Service ] herausgefunden: Mit der dritten Folge beginnt die Serie nämlich Sinn zu machen, zumindest was ihr religiöser Inhalt angeht.

Auf geht’s (wieder, milder Spoiler-Alarm):
Die dritte Folge führt die Plot-Linie einer apokalyptischen jüdischen Sekte weiter, die über den Neu-Mexikanischen christlichen Klon-Kult, eine gestohlene Torah-Brustplatte, die angeblich ein Telefon zu Gott darstellt und eine wirklich niedliche Baby Kuh (ja, es gibt dafür einen Fachbegriff, aber ich will die Niedlichkeit betonen) namens „Red“, die ein nicht ganz so tolles Abenteuer durchlebt.

Nicht ganz sanft in den Plot hineingeworfen werden auch ein schwieriger biblischer Text, eine Geheimorganisation, die den jüdischen Tempel auf dem Tempelberg in Jerusalem wiederaufbauen möchte und eine erstaunliche Anzahl an jüdischer Numerologie, für die ich mich seit ich ein Indiana-Jones-werden-wollender-Teenager war, sehr interessiere.

Sehr ähnlich wie bei Indiana Jones steht auch das gestohlene Notizbuch eines Archäologen im Mittelpunkt der Serie und die darin vorhandene Zahl XIX – 19. In der Bibel ist es ja immer 12 hiervon (Stämme Israels, Jünger) oder 40 davon (Tage Regen, Jahre in der Wüste) aber nie acht, 11 oder – Gott behüte (haha) – 17. Das kommt daher, dass in antiken Kulturen (gerade in der biblischen Zeit) im Judentum sehr viel Numerologie betrieben wurde – Zahlensymbolik oder auch Zahlenmystik; den Glauben, dass Nummern eine religiöse oder spirituelle Bedeutung haben. Im Judentum gibt es sogar einen Studienzweig, der sich [ Gematrie ]  nennt. In der Gematrie werden Buchstaben des hebräischen Alphabets numerischen Werten zugeordnet, mit denen die Gelehrten auf der Suche nach neuen Bedeutungen herumrechnen, bis mal etwas aufgeht. Die Autoren von „DIG“ scheinen dies zu kennen und leben ihren Spaß daran in der Serie aus.

In der dritten Folge wird die Nummer von Peter Connellys (Protagonist, gespielt von Jason Isaacs) Hotelzimmer – sieben – zweimal sehr deutlich gezeigt. In der Numerologie ist sieben die perfekte Zahl, eine „göttliche“ Zahl, die Zahl von Gott (Kuzcos Gift). Sie repräsentiert Heiligkeit und Sanktifikation, zwei Themen, die in der Serie sehr häufig vorkommen, die Suche nach dem Vollkommenen (das rote Kalb und Joshuas „unverdorbene“ Füße).

Als Peter einen Albtraum hat, steht die Uhr vom Wecker auf dem Nachttisch auf 11 Uhr Nachts. In der Bibel steht die Zahl 11 für Chaos, Unruhe, Unordnung oder Verunreinigung. Und dann haben wir noch die wunderschöne Zahl 19, die in der Folge eine sehr, sehr große Rolle spielt. In der biblischen Numerologie wird die eins als die Zahl Gottes angesehen und neun ist sein Urteil. Das klingt ja schon mal passend ominös für ein Verschwörungs-Action-Thriller wie „DIG“.

Hinzu kommt – und das gibt mir bis jetzt den größten Hinweis dafür, in welche Richtung sich die Show meiner Ansicht nach (hoffenlich) weiterentwickelt – dass im Islam der 19. Vers des 19. Kapitel des Korans das ist, in dem die Geburt Jesu angekündigt wird – die „Reinheit“ in Person. Und es geht ja etwas sehr Jesusiges ab in New Mexico… Der Junge, der in der Serie unbedingt „pure“ und „unsoiled“ bleiben soll… Hmnnnja, nja…

Okay, das alles zusammen und das Notizbuch führten in Folge drei zu einigen Schlüssen, die man ziehen kann, deswegen hier jetzt die

…::: Ulimative Spoiler Warnung für alle, die mit Serie noch nicht so weit gekommen sind :::…

Peters Investigation über den Tod der jungen, heißen und seiner Tochter in allen bisher bekannten Belangen verstörend ähnlichen Archäologin Emma Wilson (gespielt von „A Fine Frenzy“-Sängerin Alison Sudol) führt ihn in einen Innenhof von Jerusalems Altstadt, wo ein offenes Buch auf einem Podium ausgestellt ist. [ Lo ],  das vierte Buch der jüdischen Bibel, das in Zahlen aufgeteilt ist. Und welches Kapitel ist geöffnet?
[ Richtig, 19 ]
Das Kapitel spricht von einem „reinen roten Kalb“ („pure heifer without spot“), das benötigt wird, die Isrealiten zu reinigen, bevor sie den Tempel neu errichten können, das Haus Gottes oder Yahweh, in Jerusalem.

„Speak unto the children of Israel, that they bring thee a red heifer without spot, wherein is no blemish, and upon which never came yoke“.
[Quelle: Wikipedia ]

(selbst in diesem Wikipedia-Artikel sind Spoiler zur neuen Folge, was jetzt aber auch egal ist, da ihr sowieso bis hierhin gelesen habt)

Die Zahl 19 beschäftigt das Juden- und Christentum seit tausenden von Jahren. Manche Gelehrten sagen, die Farbe des Kalbs sei ein Hinweis auf die Sünden oder Unreinheit der Menschheit. Und dass es nie ein Joch getragen hat („never came yoke“) versinnbildlicht, dass es keinem Menschen gehorcht, nur Gott.

Was auch immer das für das niedliche kleine „DIG“-Kälbchen bedeutet, es wird wahrscheinlich nicht gut enden für das kleine Fellknäuel, das schon die gesamte dritte Folge in einem Schiffsbauch verbracht hat, auf dem Weg nach Kroatien.

Aber wir werden ja sehen, wie die Serie weiter… aufgeht. *badumts*

[ Quelle: „Dig“ TV series starts adding up: Watch the numbers von Kimberly Winston – Religion News Service ]

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