[ KINO ] Paul Feig’s Ghostbusters

melissateaserJa, in der Überschrift versteckt sich ein Deppen-Apostroph, aber es gibt da ein paar Dinge, die ich gerne loswerden würde, da ich die letzten Tage mit vielen Leuten im Internet wie auch im realen Leben den anstehenden Ghostbusters-Streifen diskutiert habe. Meine Freunde und Bekannte wissen, dass ich ein riesiger Ghostbusters-, Dan Aykroyd-, Harold Ramis- und Bill Murray-Fan bin und sind deswegen etwas vorsichtiger beim Ansprechen des Themas bei mir, aufgrund von Harold Ramis‘ Abschied letztes Jahr, Leuten im Internet ist es jedoch völlig egal und das ist eine noch bessere Ausgangslage für Diskussionen.

So, jetzt aber mal 5 Cent zum Thema von einer Person, die während der Ausbildung in Venkman-, Ecto-1- und Ghostbusters-Logo-T-Shirts zur Schule ging.

Ich liebe die Ghostbusters Filme. Ja, alle beide. In ihrer Gesamtheit. Der erste ist einer der einzigen Filme, die ich sowohl auf Englisch wie auch auf Deutsch komplett mitsprechen kann (dazu zählen eigentlich nur noch „Zurück in die Zukunft“, „Jäger des Verlorenen Schatzes“, „Blues Brothers“ und „Das Imperium schlägt zurück“ und dann ist die Liste auch schon zu Ende). Meine Eltern, die beide bis tief in die 90er oder sogar Anfang 2000er Ghostbusters-Fanshirts trugen, sind dafür verantwortlich, dass ich den Film sehr früh gesehen habe. Aber im Gegensatz zu anderen Filmen, die ich zu der Zeit gesehen habe und in denen ich mich vor bestimmten Figuren gegruselt habe (vor der Eule in „Mrs Brisby und das Geheimnis von NIMH“, zum Beispiel, vor Morla in „Die unendliche Geschichte“ und am allermeisten vor Fucking E.T. (wir hatten einen Plastik-E.T. mit Leuchtfinger, den ich immer in einer riesigen Kiste unter tausenden von Plüschtieren begrub, die mich vor ihm beschützen sollen)) fand ich Ghostbusters nie gruslig. Ich fand ihn als Kind lustig und ich fand es lustig, mich „Släimer“ zu nennen und mich so zu verhalten wie er. Beim Essen zum Beispiel. Und ich guckte jede verdammte Folge der Animationsserie und komme bis heute nicht richtig darüber hinweg, dass Egon dort meine Lieblingsfigur war, obwohl er mit Abstand am Beschissensten und am allerweitesten entfernt von den Filmen aussah.

„Ghostbusters“ ist einer der Filme, die ich mein ganzes Leben immer wieder gesehen habe und dessen ich auch niemals müde werde. Und je öfter ich ihn sehe (ich bleibe auch immer darauf hängen, wenn er irgendwo im Free-TV läuft, unabhängig davon, was ich an diesem Abend geplant gehabt hätte), desto mehr Details fallen mir auf, die ich einfach großartig finde. Desto mehr verstehe ich die tatsächlichen Dialoge und Witze im Film und mit desto mehr Charakteren kann ich mich identifizieren.

Meine Eltern sagten mir oft, dass ich genau so nervig und vorlaut wäre, wie Venkmann. Dann wollte ich aber so schlau sein wie Egon und später stellte ich fest, dass ich mit manchen Situationen umgehe, wie Stantz es tun würde (ich ignoriere Probleme oft, bis sie von selber weggehen), ich lebte eine Zeit lang wie Louis allein in einem Appartement-Haus und eine lange Zeit fühlte ich mich wie Janine, völlig unterfordert und von Idioten umgeben. Und dann gibt es da noch Dana. Als Kind war sie mir egal. Als ich älter wurde, hatte ich Mühe damit, Sigourney Weaver als irgendjemand anderen als Ripley zu akzeptieren. Etwas später fand ich sie sogar nervig und heute ist Dana mehr ein absolutes Vorbild und ich verstehe alle ihre Entscheidungen.

Janine ist mein Spirit-Animal.

Vor wenigen Jahren erschien auch ein offizielles Ghostbusters-Videospiel, das meine Liebe für die Filme erneut entflammen liess. Es war auch das erste Spiel, in dem ich Tränen lachte ab den Dialogen und ich spielte es in nur einer Woche durch. Und das neben der Schule. Und Lernen. Und Abschlussprüfungen. Eins der schönsten Geräusche der Welt ist für mich der Klang des Ecto-1 und ich werde den Moment nie vergessen, in dem ich irgendwann im Frühjahr 2011 am Sievekingplatz in Hamburg ausstieg und die charakteristische Sirene des Ecto-1 vernahm, mich umdrehte und er an mir vorbei fuhr. Ich bin mir mittlerweile nicht mehr 100% sicher, ob das wirklich passiert ist, da ich zu der Zeit extrem gestresst war, was mich psychisch und physisch extrem schädigte, aber ich glaube, das ist wirklich passiert und mein Wunsch-Hochzeitsgast (noch vor dem DeLorean, Toto, Richard Patrick oder Nathan Fillion) ist der Ecto-1.

So viel also kurz zu meiner Liebe (die wie bei allen Dingen, die ich liebe, an Obsession entlang schrammt) für das Ghostbusters-Franchise.

Gerüchte um einen neuen Ghostbusters-Film gibt es seit 20 (!) Jahren. 1996 hat Harold Ramis mal gesagt, dass er und Dan Aykroyd an einem Skript arbeiten, dass sich um Egon und Ray dreht, die ein „komplett neues, jüngeres und wahrscheinlich sehr viel attraktiveres Team“ dreht. Daraufhin rankten sich viele Gerüchte darum, wer sich am Projekt beteiligt, angefangen bei Chris Farley und Will Smith (ja wirklich, die Gerüchte gehen so weit zurück, dass Farley es noch miterlebt hat!). Irgendwann hiess es, Ben Stiller würde die Hauptrolle übernehmen und später war von Judd Apatow die Rede, der den Film mit Seth Rogen produzieren würde. Zwei Autoren von „The Office“ haben wohl mehrere Jahre damit verbracht, Aykroyds zunehmend verrücktes und wirres Skript-Werk zu bearbeiten und Bill Murray bestand weiterhin darauf, nichts mit der Sache zu tun haben zu wollen. Schon damals waren Frauen im Gespräch für die Cast. Dan Aykroyd nannte damals Alyssa Milano, Eliza Dushku und Anna Faris als Idealbesetzung. Emma Stone und Jonah Hill  nominierten sich einfach mal selber und Bill Hader wurde an einer Stelle ebenfalls mal als Traumbesetzung genannt. [ Eine gute Timeline der meisten Gerüchte findet ihr hier. ]

Ich mag zwar Seth Rogen weder als Darsteller noch als Mensch sonderlich gerne und finde ihn ganz furchtbar uninteressant, aber er äußerte leider das, was sich viele Leute zu dem zeitpunkt dachten (inklusive mir). Er sagte im Interview mit dem [ Collider ] sagte er, als Fan der Filme sei er der erste, der einen neuen Ghostbusters Film mit Skepsis betrachtet. Das höre sich im ersten Moment nach einer ganz furchtbaren Idee an. […] Es bräuchte ein phenomenales Skript („one motherfucking good script“), damit es hinhaut.

Nun, ein Skript gibt es noch nicht. Aber seit Comic Con im letzten Juli gehört das Projekt Regisseur Paul Feig, der „Bridesmaids“ und „The Heat“ gemacht hat (das jetzt beides keine extrem guten Filme sind, aber ich fand sie witzig und war recht gut unterhalten). Er (und das mag alle „Ghostbusters mit Frauen WIESO?!“ und „Sorry, ich bin zwar kein Sexist, aber weibliche Ghostbusters gehen gar nicht“-Menschen überraschen) teilt Seth Rogens Meinung. [ In der Entertainment Weekly ] sagte er

„Ich liebe Origin Stories (Herkunftsgeschichten, Prequels sozusagen). Es ist meine absolute Lieblingssache. Ich liebe den ersten („Ghostbusters“) so sehr, dass ich auf keinen Fall die Erinnerung daran zerstören möchte. Deswegen denke ich, ist ein absoluter Neustart mit einer neuen Dynamik der beste Weg. Ich möchte, dass die Technologie im Film noch cooler ist. Ich möchte, dass er wirklich gruslig wird und in der heutigen Welt und der heutigen Zeit spielt, die so etwas noch nicht durchgemacht hat und mit „Oh mein Gott, WTF ist denn hier los?!“ reagiert.“

Ich finde Paul Feigs Aussage als Fan der Serie sehr nachvollziehbar. Und sogar Bill Murray ist der Sache mitlerweile nicht mehr abgeneigt. Da er einer der wenigen Männer auf der Welt ist, an die ich mich wenden würde mit einer Bitte um Ratschlag, halte ich sowieso das meiste, was aus seinem Mund kommt für Gold, aber als ich [ hier ] das Folgende hier gelesen hatte,  ging mir wirklich das Herz auf (und das nicht nur, weil ich ein großer Fan von Robert Palmer bin):

„Für mich klingt es großartig. Es klingt nach einer guten Idee. Es gibt viele Frauen, die genügend Dampf ablassen können! Nein, es ist eine fabelhafte Idee, ich weiß zwar nicht, über wen wir hier sprechen, aber es ist eine gute Idee, ich würde es mir ansehen. Ich mein, ich liebe Robert Palmers videos, also warum sollte ich weibliche Ghostbusters nicht lieben?“

Und ich mein, Hey, er ist fucking Bill Murray!

Nun, Ernie Hudson hingegen sieht das Ganze [ gegenüber dem Telegraph ] etwas anders:

„Ich hörte, es wird eine totale Neuauflage, die nichts mit den anderen zwei Filmen zu tun haben wird. Wenn es nichts mit denen zu tun hat und nur Frauen mitspielen, warum nennt ihr es dann Ghostbusters?“

Nun, die Frage ist nicht ganz unberechtigt. Natürlich könnte Feig einen Film machen über vier Frauen, die New York von Geistern befreien und ihn anders nennen, aber er dürfte dann wie bei „Bridesmaids“ einfach kein Budget erwarten. Hollywood funktioniert nicht mehr so und ohne den Franchise-Namen finden sich keine Produzenten. Hätte Ernie Hudson an dieser Stelle die Klappe gehalten, wäre alles okay. Leider fügte er etwas hinzu, was sich mit den Aussagen vieler (Ex-)Facebook-Freunde und Real Life-Bekannten von mir doppelt:

„Ich liebe Frauen („females“). Ich hoffe, dass wenn sie sich für diesen Weg entscheiden, dass er wenigstens lustig wird. Und wenn er nicht lustig wird, dass er wenigstens sexy word. Ich finde es eine tolle Idee, Frauen im Film aufzunehmen, aber nur Frauen? Ich denke, das ist eine schlechte Idee. ich glaube nicht, dass die Fans das sehen wollen.“

Okay. Das ist ja der Punkt, den ich traurig finde. Mal abgesehen davon, dass Hudson sich herausnimmt, für alle Fans zu sprechen (was Bill Murray vermutlich nicht tun würde, da er Menschen als Individuen mit eigenen Gedanken und Vorstellungen sieht, ja, ja, in meiner Vorstellung ist Bill Murray so), gibt er leider wirklich eine Meinung wieder, die ich die letzten Tage von sehr vielen Männern und Frauen gelesen habe.

Zur kurzen Erklärung, das obige Posting stammte von einem Real-Life-Bekannten von mir aus der Games-Industrie und die folgenden Kommentare stammen alle aus der Seite zu einem kleinen und feinen Nerd-Merchandise-Unternehmen (das denselben Link gepostet hat), dem ich auf Facebook folge, da ich schon öfters ihre importierten Artikel gekauft habe und von ihnen nicht via E-Mail auf dem Laufenden gehalten werden möchte. Ich lese keine Newsletter. Das ist normalerweise eine sehr offene, freundliche und – ja, ich hasse das Wort auch, aber – nerdige Community, die aus Leuten besteht, die in der Lage sind grammatikalisch gerade noch akzeptable Facebook-Beiträge zu verfassen. Das dient auch nur als Beispiel, es geht ja tatsächlich noch recht gesittet zu und her.

Lustig und auffällig ist nicht nur hier, sondern auch bei Twitter und in den Kommentarbereichen der hier verlinkten Artikel, dass vor allem „allergisch“ auf den Aspekt von vier Hauptdarstellerinnen reagiert wird. Viele reagieren auf die Cast-Meldung mit der Reaktion Traurigkeit, Unverständnis, dem Vorwurf Feminismus / Emanzipation würde damit die eigene Kindheit zerstören.

Das geschah nicht, als Aykroyd das Projekt ad Acta legte. Das geschah nicht, nachdem sich Bill Murray wiederholt und öffentlich extrem negativ zum Franchise äußerste. Das geschah nicht, als Aykroyds Skript in ein Videospiel umgesetzt wurde. Das geschah nicht, als Feig als Regisseur genannt wurde.

Am Härtesten aber treffen mich Kommentare von Frauen, die sagen, sie können sich weibliche Ghostbusters einfach nicht vorstellen, oder noch krasser:

Das suggeriert nicht nur, dass sich diese Personen mit weiblichen Namen und Anzeigbild nie vorgestellt haben, Ghostbusters zu sein. Okay, nicht jeder ist so ein großer Fan der Serie wie ich und hat schlich mit selbstgebasteltem Protonenrucksack und dem kleinen Bruder im Schlepptau durch das Untergehölz und Gestrüpp der Nachbarschaft, oder stellte sich mit 15-18 in der Schule noch als Sarah Venkman vor, weil man dieses T-Shirt trug:

Aber trotzdem. Mir fehlt komplett das Verständnis dafür, dass sich jemand nicht vorstellen kann, ein Ghostbuster zu sein. Oder greift die Patriarchie so weit, dass sich diese Personen vielleicht nur in Danas oder Janines Rolle hineinversetzen können?

Frauen in Nebenrollen sind für Ernie Hudson ja auch völlig okay. Aber ein Film NUR mit Frauen? Geht gar nicht.
Wäre aber auch ein Novum in der Filmgeschichte, denn ich glaube (ich hab das aber auch nicht eingehend recherchiert) es gibt bis dato keinen Film, der NUR Frauen beinhaltet. Und ja, es kann sein, dass „Fans“ einen Film nicht sehen wollen, weil Frauen die Hauptrolle spielen.

Aber Bill Murray würde ihn sich ansehen.
Und als Fan reicht mir das völlig.

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