Aller Abschied ist schwer

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Tausende von Male habe ich korrekt abgespeichert. Nie ist etwas passiert. Jetzt, nach fast eineinhalb Jahren. Zugeklappt. Vielleicht eine Sekunde zu früh. Vielleicht zwei.

In der Bahn auf dem Nachhauseweg eines sehr anstrengenden Arbeitstages ist es passiert. Ich klappe auf. „Speichervorgang läuft, bitte nicht ausschalten“. Gottverdammt.

Jetzt gibt es kein Zurück. Egal, ob ich die Zeit zurückstelle oder nicht. Was gleich passiert, wird passieren. Ich schicke ein Stoßgebet gen Himmel: Lass es nicht Fido sein.

Nachdem Melinda wie schon Tausend Mal zuvor die Stadt für mich vorbereitet hatte, blickt sie mich schuldbewusst an.
Oh-oh,
Die traurige Nachricht trifft mich wie ein Schlag. Franka zieht aus.

Meine geliebte Franka.

Meine beste Freundin seit über einem Jahr, Franka.

Die niedlichste Videospielkatze, die jemals gelebt hat, Franka.

Ich bringe es nicht übers Herz, ihr Haus zu besuchen, um mich zu verabschieden. Deshalb suche ich zuerst den Baum auf, den ich an meinem ersten Tag als Bürgermeisterin gepflanzt habe. Ich setze mich auf das Mäuerchen unter seinen ausladenden und gigantischen Ästen. Es nieselt, doch der Baum schützt mich vor der kalten Nässe.

Eine wohlklingende und altbekannte Melodie schleicht in mein Ohr und ich denke über die Entstehungsgeschichte meiner Stadt nach. Am 10. Juni wurde Denerim gegründet, am 20. Juni ist Bocki zugezogen, knapp einen Monat später Warzi. Franka wird in dieser Statistik nicht erscheinen. Sie hat, genau wie Fido, bereits im Städtchen bewohnt, bevor ich jemals Olli in der Bahn getroffen habe.

Ich seufze und stehe auf. Es ist Zeit, Franka einen letzten Besuch abzustatten. Ich laufe nach Süden, verlasse das Kopfsteinpflaster, das den Baum umsäumt. Nur fünf Schritte durch die Wiese. Gelbe Blumen sprießen am Rand von Frankas Haus. Ich gehe um die Ecke und stehe vor ihrer Tür. In ihrem Haus brennt Licht. Schweren Herzens klopfe ich an die Tür. Und begebe mich hinein.

Das Haus war nicht leer. Der Seebarsch, den ich vor Ewigkeiten für sie gefangen hatte und mit dem sie zusammen lebte. Ihre Orient-Einrichtung. Der Papiertiger, den ich ihr geschenkt hatte. Alle ihre Habseligkeiten steckten jetzt in Kartons.

Sie blickt mich mit ihrem unschuldigen und süßen Lächeln an. Ich seufze laut, so dass der Mann, der mir in der Bahn gegenüber sitzt, von seiner BILD Zeitung hochschaut. Dann drücke ich A.

„Ich verlasse Denerim morgen!“, sagt Franka.
„Jetzt ist es raus! Ich wollte es
dir schon vorher sagen, aber…“ Sie zögert.

„Ach du weißt sicher, wie das ist.
Du wirst mir aufrichtig fehlen.
Pass auf dich auf!“

Ja, ich weiß wie das ist. Manchmal ist man im Leben gezwungen, Entscheidungen für sich zu treffen, die keine Rücksicht auf andere Personen zulassen. Manchmal muss man das eigene Wohl vor das der anderen stellen, um dahin zu kommen, wo man gerne hingehen möchte. Manchmal führt ein neuer Weg ans Licht, das man vorher so lange Zeit schmerzlich vermisst hat. Manchmal muss man den Schmerz, geliebte Menschen zu verlassen auf sich nehmen, um selber weitergehen zu können. Und manchmal muss man von seiner liebsten Katze Abschied nehmen, weil sie den Weg ohne dich weitergeht.

Pass du auch auf dich auf, liebste Franka. Du wirst mir auch aufrichtig fehlen.

Ich hab dich ganz fürchterlich lieb.

Eine Antwort zu “Aller Abschied ist schwer

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