TOTO im Stadtpark

totoWie ihr alle wisst, war ich schon auf vielen TOTO-Konzerten. Aber ich schwöre bei Gott, keines davon war bisher auch nur annähernd so gut, wie die 35th Anniversary Tour 2013. Es stimmt, ich liebte die „Falling In Between“-Tour mit Tony Spinner und Leland Sklar, aber ich hatte bis dahin ja auch noch nie alle Größen auf einer Bühne gesehen! Wie immer, wird das ein längerer Konzert-Bericht AKA Tagebucheintrag, also holt euch eine Tüte Chips oder Gummibärchen.

Alles fing im Februar 2013 mit einem unschuldigen Poster am Altonaer Bahnhof an, das ein TOTO-Konzert am 04.06. ankündigte. In dem Moment wusste ich schon, dass ich das Konzert besuchen würde. Ich versuchte über die kommenden Monate hinweg Leute zum Mitkommen zu bewegen, da mein enger Freundeskreis leider nur etwa 1 Leute umfasst und diese Person keinen Bock auf die beste Musik der Welt hatte, zog es mich am Schluss alleine zum Konzert.

Nach einem normalen Arbeitstag also setzte ich mich in die S1 und fuhr zur Alten Wöhr. Ich hatte noch kein Ticket, ich hatte 100 EUR in der Tasche und die Hoffnung, an ein Ticket und ein T-Shirt zu kommen. Während ich mich jedoch auf die Abendkasse zubewegte, kamen mir haufenweise Leute entgegen, die Kartonschilder in die Luft hielten. „Suche Karten“, stand darauf. Und „Kaufe Karten“. Scheiße, dachte ich, ließ mir aber nichts anmerken und ging zielstrebig auf den Eingang zum Bühnengelände zu. Scheiße, dachte ich schon wieder, als ich feststellte, dass es keine Abendkasse vor dem Bühnengelände gab. Das war aber nicht so schlimm, ich musste lediglich zuerst durch die Sicherheitskontrolle. Plötzlich stand ich vor der Abendkasse und da saßen auch zwei junge Männer, die mich erwartungsvoll anblickten. „Äh, habt ihr noch eine Karte über?“, fragte ich hoffnungsvoll. „Ganz viele sogar, hast du 60 EUR über?“, antwortete der schlagfertigere von den beiden. „Naja, über nicht, aber für TOTO geb ich alles her.“, beschloss ich und bezahlte das Ticket. UND ICH WAR DRIN! Haha! TOTO, ich komme.

Zuerst aber kaufte ich mir ein T-Shirt. Für 36 EUR. Es war also nicht nur teuer, es war auch noch hässlich, für Männer zugeschnitten und grau und orange. Aber es war ein Jubiläums-T-Shirt und das ist alles, was zählt. Nach dem T-Shirt-Kauf fand ich mich langsam an meinem Stadtpark-Stammplatz ein: Erste Reihe ganz, ganz vorne an der Absperrung. Jap. Die Akustik ist da nämlich so beschissen, dass es überhaupt keine Rolle spielt, wo man vorne steht, also wollte ich wenigstens alles sehen.

Erst stand aber eine Vorgruppe auf dem Programm: Die Black Star Riders. Nie gehört. Taugen die was? Oh, die haben ja Boxen und Equipment-Kartons auf denen „Thin Lizzy“ drauf steht. Thin Lizzy mag ich, also nahm ich das als gutes Zeichen. Als die Vorgruppe dann auf die Bühne trat, fiel mir erst einmal die Kinnlade runter und dann zückte ich schnell mein Handy um mich zu vergewissern: Jap, die Typen, die da standen und auf das heftigste begannen zu rocken sahen den Typen von Thin Lizzy nicht nur zum Verwechseln ähnlich, es waren verdammte Scheiße nochmal Thin Lizzy!

Nachdem sie ihre neuen Black Star Riders-Songs (die alle echt gut waren!) und das obligatorische „The Boys Are Back in Town“ gespielt und dem Publikum mächtig eingeheizt haben (soweit das bei Personen mit Durchschnittsalter Ü50 möglich ist) traten Thin Lizzy leider wieder von der Bühne. Es war echt cool, euch mal live zu sehen, ihr seid schwer in Ordnung, wirklich!

Tja. Und dann kam TOTO. Und Alter. Ich hatte ja keine Ahnung! Ich meine, es war zu erwarten, dass es ein gutes Konzert werden würde, da David Paich, Steve Porcaro und Nathan East wahrhaftig da waren und ich tatsächlich einer der wenigen Jo Williams-Vertreter bin (er ist für mich einfach ein Mü mehr das TOTO, das ich liebe, als Bobby Kimball). Aber ich hatte ja keine Ahnung davon, dass mir wirklich alle meine Lieblingslieder um die Ohren gehauen wurden! Ich versuche euch gerade seelisch darauf vorzubereiten, was jetzt kommt:

DIE SONGLIST

Los ging es mit
CHILD’S ANTHEM, das als Medley mit ON THE RUN weiterging und mit GOODBYE ELEONORE endete. Kann es auf der Welt ein epischeres Medley geben? Nein, ich glaube nicht. Als nächstes spielten sie mein Lieblingslied des „XX“-Albums: GOIN‘ HOME. Unfassbar. Wieso genau dieses Lied? Ich hatte es noch nie live gehört und es war mir eine Ehre, in diesem Moment da zu sein. Doch TOTO beschloss noch einen drauf zu setzen und spielte HYDRA. Jap, Hydra, denn das einzige, was ich am letzten Konzert auszusetzen hatte war ja, dass gar kein Lied des gleichnamigen Albums gespielt wurde. Und um dem noch einen draufzusetzen (ich versuche es hier wirklich so emotionslos wie möglich zu beschreiben, aber ich wollte in dem Moment schon längst sterben vor Freude) spielten sie als nächstes ST GEORGE AND THE DRAGON. Och, nur ein Lied, das ich seit 20 Jahren in Dauerschleife hören könnte und konnte. Es folgte für mich eine emotionale Erholungspause mit I’LL BE OVER YOU (das erste Lied, das das breitere anwesende Publikum erreichte, echt schade, ihr bärtigen Schönwetter-Fans). Und dann war er da. Der Moment, in dem Jo Williams einen Song ankündigte, den sie noch nie Live gespielt haben. Dass er von meinem Lieblings-Album „Toto IV“ stammt, war dann auch plötzlich Nebensache, denn IT’S A FEELING ist wunder, wunderschön! Weiter ging es mit ROSANNA (vom selben Album und dem Publikum auch bekannter) und WINGS OF TIME (aus „Kingdom of Desire“). FALLING IN BETWEEN trieb anschliessend dann das Tempo plötzlich wieder gehörig voran, nur um vom Crowd-Pleaser (und einer der schönsten oder sogar der schönsten jemals geschriebenen Rock-Ballade) I WON’T HOLD YOU BACK abrupt gebremst zu werden. Danach spielten sie PAMELA, einer meiner All-Time-Favourites, den ich irgendwann in den frühen 2000ern bei seiner ersten Live-Wiedergabe beiwohnen durfte (allerdings gesungen von Bobby). Dann kündigte David Paich ein Lied an. Und zwar sei es ein Lied, über seine liebste Sex-Position: 99. Hatte ich bisher nie so gesehen, macht durchaus Sinn und war auch aus „Hydra“ – keep ‚em coming! 99 endete jedoch in einer wahnsinnig unglaublich schönen Eigenkomposition von David Paich, bis Joe mit „Do You Love Me“ in die Bridge einstieg, die mit WHITE SISTER (ja, so ist es, „Hydra“) endete. Diese 10 Minuten von 99 bis WHITE SISTER gehören zu den schönsten Musikmomenten, die ich je erleben durfte. Und ich betete in dem Moment zu allen Göttern des Classic-Rocks, dass von dieser Tour eine Live-CD oder -DVD erscheint! Leider hatte ich keine Zeit, mich von WHITE SISTER zu erholen, denn plötzlich begann ein Intro, das ich als einzige und wirklich absolut einzige sofort zu erkennen schien. Das hat mit meiner engen Beziehung zu „Mindfields“ zu tun, aber auch damit, dass mich BETTER WORLD (PARTS I, II & III) durch eine schwierige Zeit meines Lebens brachten. Das Ding wurde komplett in gesamter Länge durchgespielt und riss gegen Ende selbst den letzten Nicht-Fan im Publikum komplett vom nicht-vorhandenen Hocker. Nach BETTER WORLD kam AFRICA (no comment), dann HOW MANY TIMES („Kingdom of Desire“), „CAN’T STOP LOVING YOU“ (dass auf der letzten gar nicht und auf der vorletzten Tour von Tony Spinner wiedergegeben wurde, weil Bobby Kimball es nicht singen kann) und zu guter Letzt HOLD THE LINE. Dann verabschiedete die Band sich von der Bühne. Der Armenier neben mir, der mir anfangs des Konzertes erzählt hatte, dass er 3000 km gereist ist, um TOTO in Hamburg zu sehen, fragte mich, ob es noch eine Zugabe geben würde. „Nun, Africa haben sie schon gespielt, deswegen kommen sie vielleicht noch mal für Home Of The Brave“. Und sie kamen noch mal auf die Bühne und spielten HOME OF THE BRAVE.

Es war unfassbar gut. Technisch sowieso perfekt und oh, es war eine Freude David Paich wieder so fit zu sehen, es schien ihm wirklich gut zu gehen! Nathan East ist… Nathan East und Jo Williams war unglaublich! Und Steve Porcaro war auch fit, wie ein Turnschuh und oh, es war so perfekt. Es war perfekt. Es war einfach… perfekt. Ich kann es nicht anders beschreiben: Es gibt Emotionen, die nur Musik in mir hervorrufen kann. Und genau diese Songs… Ich hätte weinen können vor Freude.

Danke, TOTO, ihr begeistert mich seit 25 Jahren ununterbrochen. Auf die nächsten 35!

MAN OF THE HOUR:

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