Jeff Buckley war ein schlechter Mensch.

Dafür dass Jeff Buckley im zarten Alter von 31 Jahren gestorben ist, sollte man ihn erneut töten. Vor Tausenden von Jahren habe ich in meinem (ich glaube) ersten Blog beschrieben, wie ich „Staircaseway to Heaven“ erst mit 13/14 Jahren zum ersten Mal gehört habe und wie dieses Lied mir die Augen geöffnet hat, nicht nur der Rockmusik gegenüber, die ich sowieso ausschliesslich hörte, sondern auch der Musik im allgemeinen. Anschliessend konnte ich Led Zeppelin immerhin für eine lange Weile geniessen ohne das Wissen, dass alle ihre Lieder geklaut von anderen Musikstücken inspiriert waren.

Jedenfalls kommt es so, dass ich Jeff Buckley erst vor wenigen Wochen kennen gelernt habe. Natürlich hatte ich von ihm gehört, jedoch kannte ich bisher nur einen Song. Er hieß „Hallelujah“ und war einfach das Original von der Rufus Wainwright-Version auf dem Shreck-Soundtrack. Soviel dazu. Ha-hmm. Da ich aber für „Hallelujah“ stets dieselbe Abscheu wie für „Wonderwall“ und Konsorten empfunden habe, hat mich dieser Song nie interessiert. Und auch der Musiker nicht. Und das war eigentlich auch ganz gut so.

Denn jetzt kenne ich Jeff Buckley und das Album „Grace“ leider. Ich wünschte, ich hätte nie auf diesem blöden iPod in der Küche einfach mal gedacht „Grace“ klingt ganz schön, ist bestimmt ganz nett und BÄM! Da war er in meinem Leben. Jeff Buckley.

Grace. Mojo Pin. Corpus Christi Carol. Forget Her. Lilac Wine. Plötzlich nicht mehr aus meinem Leben wegzudenken. Kleine Notiz am Rande, eine Woche vorher lief mein Spotify Test-Premium Account ab und als ich einen neuen (diesmal für Geld) kaufen wollte, haben die sich gesträubt, weil ich nur über eine CH-Kreditkarte und ein CH-Paypal-Konto verfüge, jedoch in Deutschland wohne. Also fickt euch Spotify, Hallo YouTube.

Wie ihr feststellen werdet, findet man aber auf YouTube nur eine komplette Version des Albums, die qualitativ einigermaßen hinhaut. Darin befindet sich das komplette Album an einem Stück, also als ein Song. Und so höre ich das Album seit Wochen hoch und runter. An einem Stück komplett. Und verdammt, es gefällt mir noch immer. Und die Tatsache, dass Jeff Buckley tot ist immer weniger.

Erfahren habe ich dies durch Alistair. Denn das erste was Leute zu sagen pflegen, wenn ich ihnen erzähle, dass ich irgendetwas mag ist „Du weißt schon, dass XY tot ist, oder?“ So geschehen mit Queen. Ich war 9. Saß mit meinen Eltern im Auto. Es lief Don’t Stop Me Now im Radio. Ich sagte, ich liebe Queen. Mein Vater sagte „Du weißt schon, dass Freddie Mercury gestorben ist. Er hatte AIDS.“ Ich weinte. Und ich fand sehr früh heraus, was AIDS ist. Für die damalige Zeit jedenfalls. Als Teenager mochte ich dann den Film „Hair“. Und „Let The Sunshine In“ und „The Age of Aquarius“ natürlich. Der Film lief auch ab und zu im Fernsehen. „Ich liebe diesen Film, den guck ich heute noch mal“, sagte ich eines solchen Abends beim Essen. „Du weißt schon, dass Treat Williams tot ist, oder?“ Ich weinte zum ersten Mal am Ende des Films. Und dann hörte ich „Grace“ – den Song – zum ersten Mal.

Es machte mich damals sehr wütend, dass Freddie Mercury tot war, bevor ich ihn sehen oder erleben konnte. Dadurch konnte sich zwar meine ganze Liebe auf Brian May konzentrieren, doch es macht mich noch immer ein ganz kleines bisschen wütend und traurig, obwohl ich mittlerweile weiß, dass Freddie nichts dafür kann. Und Jim und Jeff können genau so wenig dafür. Allerdings hätten sie einfach noch ein bisschen warten können. Wirklich.

Was mich an Jeff am meisten stört ist, dass er nach nur einem Studio-Album gestorben ist. Nicht einmal Freddie Mercury oder Jim Morrison haben mir dan angetan. Nur ein Album. Und nur ein Song wie das „Corpus Christi Carol“.

Ich bin ja kein Fan von Musik die älter ist als 200 Jahre. Aber dieses Lied hat es mir angetan. Nicht durch die Melodie, nicht durch den Text, sondern nur durch den Gesang. Ich hab noch nie ein Lied gehört, das von einer so klaren und reinen Stimme gesungen wurde, wie dieser. Dieses Lied ist das perfekte Vehikel für Jeffs unglaubliche Stimme. Es ist ein einfacher Song, aber mir stehen dabei wirklich alle Haare zu Berg und es läuft mir kalt den Rücken runter, wenn ich ihn höre. Dadurch wird es für mich zu einem der bewegendsten Lieder aller Zeiten. Darin schwingt soviel Ehrlichkeit, soviel Empfindsamkeit, die dieses barocke Lied so kraftvoll und schon fast etwas spirituell machen. Phu, böses Wort.

Am Ende, weil ich das Internet so mag – zwei Zitate aus dem Netz, die den Nagel ganz gut auf den Kopf treffen. Und besser kann ich es auch nicht ausdrücken:

„Corpus Christi Carol is simply astounding and I agree as a fellow fan til the day the world falls away. He was sent here for a reason and his life wasn’t in vain. Though I am forever shocked that he left so soon and unexpected… Well to us it was… But to him? I think he was at peace beforehand because it seems as if „Grace“ was his note to the world, his last goodbye. Immortal indeed in us and the next generations to follow.“

Nothing new. | Reviewer: Biance | 4/13/2006

For those of you who have that unrelenting grip on Jeff Buckley’s music, Corpus Christi Carol, won’t seem out of place. Jeff’s voice is far beyond anything most of us have ever heard, and that is why his death was such a slap in the face. The CD Grace, has a variety of beautifully crafted songs… representing those emotions we’ve always over-looked, because that’s what Jeff does for us all, he soothes our pains and awakens new emotions. I think we can all agree this song, is a sacred entity, the song is so romanticized it almost puts you to sleep… it’s so beautiful, that semantics are put to shame when one tries to describe it. To be honest, I don’t think this song could be performed any better, Jeff put his signature on it, and it’s may as well be his song now. God rest his soul, and I say that out of respect, not religious belief.

Otherworldly | Reviewer: Y. Ebestibit | 3/9/2006

ÜBRIGENS! Treat Williams ist gar nicht tot. Ich habe Jahre später im Nachmittagsprogramm mal einen alten Mann gesehen, der Berger verdammt ähnlich sah. Ich hab dann mal geguckt, welcher Schauspieler das sein könnte und es war Treat Williams in „Everwood“. Und er hatte bis dahin nur so um die 200-300 Filme gedreht.

Wenigstens einer, auf den ich nicht mehr wütend sein muss.

2 Antworten zu “Jeff Buckley war ein schlechter Mensch.

  1. 1. Das Original von Haleluja stammt nicht von Jeff Buckley.
    Die credits gehen an Leonard Cohen.

    2. Sketches for my sweetheart The drunk erschien postmortem am 26.5.1998.

    3. es gibt mittlerweile ein drittes Album:
    You And I, erschien am 11. März 2016 und enthält neben Covern und einer älteren Grace Version auch unbekannte, „neue“ Studiosongs.

    • Das mit Sketches wusste ich gar nicht, super interessant! Und vielen Dank für den Album-Tipp! Das ist ja völlig an mir vorbei gegangen.
      Das mit Leonard Cohen wusste ich irgendwie (Pianisten-Familie), aber ich hab’s wohl damals einfach Mal hart ignoriert :D

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