Dragon Age Diary: Die Rose

Als rechtschaffene Kriegerin, später sogar Templerin, versuchte ich nicht nur immer den Weg des geringsten Widerstandes zu wählen, sondern auch freundlich, höflich und nett zu allen zu sein. Alistair liess sehr gut mit sich flirten in den Cutscenes, aber auch während dem Erkunden der vielen Ortschaften oder Dungeons plätscherten unterhaltsame Konversationen zwischen den NPCs dahin. Der Grey Warden und Templer weckte mein Interesse mehr und mehr und ich ertappte mich zwischendurch dabei, wie ich aufgrund seiner Antworten im richtigen Leben verzückt lächelte oder hingerissen seufzte.

Ich versuchte mit allen Mitteln der Kunst bei ihm zu landen. Ich schenkte ihm ein Amulett, das ich im Studierzimmer des Arls of Redcliffe gefunden hatte, ich interessierte mich für seine Familiengeschichten und hörte aufmerksam jedes Wort das er sagte mit. Obwohl ich sonst eigentlich jede andere Konversation mit X übersprang, weil ich die Untertitel schon gelesen hatte … Nicht Alistairs. Wir kämpften und flirteten uns quer durch Ferelden.

Mitten in den Tiefsten Höhlen Orzammars, schenkte mir Alistair aus heiterem Himmel eine Rose. Er fragte, ob ich wisse, was das ist. „Your new weapon of choice?“

Ich lachte ab seiner charmanten Antwort, doch dann wurde es plötzlich ernst und er erklärte mir, dass er mehr für mich empfinde.

Verzückt bis zum geht nicht mehr quietschte ich in meinem PELLO. Und hätte ich nach 20 Spielstunden am Stück noch einen fähigen Muskel am Körper gehabt, wäre ich aufgesprungen und hätte ein Freudentänzchen vollführt. Das wohl peinlicher geworden wäre, als jenes von Johnny Depp in „Alice in Wonderland“. (Okay, das war jetzt übertrieben. Eine noch peinlichere Tanzeinlage gibt es auf der Welt ja gar nicht, das weiß jedes Kind)

Hatte mir ein Videospielcharakter soeben eine Rose geschenkt – UND ICH FREUE MICH IM RL DARÜBER? Was hat dieses Spiel aus mir gemacht? Der Gedanke wich schnell wieder der Verzückung und ich war gerührt ab der Konversation. Wäre mein Hirn von den 20 Stunden Marathonzocken noch aufgeweichter gewesen, hätte ich wohl vor Freude geweint. Ich war überwältigt (und seit zwei Wochen alleine in meiner zugemüllten Wohnung eingesperrt – ein Umstand, den man nicht misachten sollte, in dieser Geschichte).

Der ganze Prozess der langweiligen mühsamen Gespräche, des Lootens von Gegenständen, die ihm gefallen könnten und dem Zurückweisen von Zevran, dem ebenfalls attraktiven und notgeilen Assassinen, trug plötzlich Früchte. Was mir so sehr gefiel, an der ganzen Geschichte war, die Beziehung baute sich so ungeheuer sorgfältig auf. Jede Zeile, die über meine Lippen ging habe ich mir wohl überlegt und nicht selten habe ich eine Stunde Spielstand aufgegeben und bin einen Speicherpunkt zurückgegangen, um meine Entscheidungen so zu fällen, dass Alistar damit zufrieden war. Nachdem er mir eine Rose überreichte, stahl mir Alistair auch in den tiefsten Tiefen der Deep Roads („Tiefe Straßen“) einen Kuss. Das Grinsen über diese romantische Szene blieb für zwei Stunden in mein Gesicht gemeißelt. Ich habe mich im fiktiven Leben noch nie so über einen Kuss gefreut. In keinem Buch. In keinem Film, in keinem Spiel. Der ganze Kampf um seine Anerkennung, die Tatsache, dass es mir nicht egal war, was er denkt und dass das zum Austausch dieser subtilen Zärtlichkeiten führte, begeisterte mich völlig.

Danach schaltete ich endlich das Telefon aus, das den ganzen Tag lang bestimmt 30 Mal geklingelt hatte. War heute Mittwoch oder Donnerstag? Wann war ich eigentlich das letzte Mal auf der Arbeit? Wann hatte ich mich das letzte Mal gewaschen? Wann das letzte Mal gegessen? Das war alles egal. Schliesslich hatte Alistair mich geküsst.

Das wat der vierte Teil von „Der Untergang meiner selbst – Sarahs Ausstieg aus dem Sozialleben“. Fortsetzung folgt…

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