Dragon Age Diary – Prolog

wohnungsar
Alles begann mit einem Anruf meiner Mutter.

„Sarah, warum gibt es deinen Blog nicht mehr?““Öh, den gibt es noch.“

„Warum schreibst du nicht mehr?“

„Du hör mal, ich bin gerade mitten im Kampf mit einem High Dragon in Ferelden verwickelt. Er hat auf einem Berg geschlafen und neben ihm stand ein Gong. Da dachte ich so ‚Was passiert wohl, wenn ich den Gong schlage?‘ Rumms, Drache. Muss gehen, tschüss!“

Zwei Minuten später klingelte schon wieder das Telefon.

„JA WAS? Ein verdammter Hochdrache besiegt sich nicht von selbst! Und Alistair, mein Verlobter, der mal der König der Welt wird, hat nur noch etwa 13 HP!“

„Schatz, die DVD Magazin Redaktion macht sich Sorgen um dich. Sie haben mich angerufen, weil sie dich nicht mehr erreichen konnten. Was ist denn los? Warum fehlst du seit einer Woche auf der Arbeit?“

„Ich hab keine Zeit, ich habe das Ritual zur Ausbildung zum Grey Warden überlebt und das schaffen nur sehr wenige. Da es vermutlich nur noch zwei von uns gibt und wir die Einzigen sind, die die Blight stoppen können, fühle ich mich dazu verpflichtet, die Bevölkerung von Ferelden vor der Verderbnis zu retten.“

„Ähm, Schatz, von wem hattest du den Schirm gekriegt?“

„Hä, was? Welcher Schirm? Schirme gibt es nicht als Ingame Item.“

„Jemand hat dir auf der Behörde einen Schirm geschenkt, weißt du noch?“

„Achso, den hab ich von einem Lama gekriegt. Steht doch in meinem Tagebuch- Äh, Blog. So, ich muss jetzt wirklich weiter kämpfen, sonst geht hier noch mein Assassinenkollege Zevran drauf. Er ist aus Tevinter und hat versucht mich zu töten, aber jetzt ist er mein Freund und er flirtet ziemlich offensiv-… Hallo?“

Meine Mutter hatte aufgelegt. Ich widmete mich wieder dem Spiel. Wenige Stunden später, ich war immer noch in den Kampf mit dem Drachen verwickelt klingelte es bei mir an der Tür. Wütend stand ich aus meinem Zockerstuhl (Ikea-Billo-Sessel „PELLO„, sehr zu empfehlen, einfach zu reinigen!) auf, wischte mir die Fast-Food-Reste der letzten paar Tage vom Shirt und öffnete die Tür. Vor mir standen zwei Herren in Zivil.

„Frau Geser?“

„Ja?“

„Dr. Med. Prof. Prof. h.c. Dent. Matjes Horst hat uns auf Anraten Ihrer Mutter hin zu Ihnen geschickt. Wir kommen von der Nervenheilanstalt Hamburg und wollten Ihnen ein paar Prospekte hier lassen.“

„Wieso?“

„Weil Zwangseinweisungen gesetzlich untersagt sind.“

„Nein, ich meine, wieso Nervenheilanstalt?“

„Ihre Mutter erwähnte ein Suchtproblem…?“, sagte er und versuchte an mir vorbei in die Wohnung zu blicken. Das war aber dank dem riesigen Berg Wäsche mit Müll, der sich zwischen mir, der Küche und dem Wohnzimmer stapelte unmöglich.

„Ha-hmm.“, sagte ich. „Ich habe kein Suchtproblem, vielen Dank.“

„Nun, bitte sehen Sie sich den Prospekt an, wir haben für Fälle wie Ihre eine spezielle Abteilung. Dr. Med. Prof. Prof. h.c. Dent. Horst würde sich über einen Anruf von Ihnen freuen.“

„Ja, ja.“, sagte ich und schloss die Tür.

Den Prospekt der Nervenheilanstalt Hamburg warf ich gekonnt auf den Wäsche/Müllberg.

„Suchtproblem. So ein Quatsch.“Ich versuchte vergeblich, den High Dragon zu besiegen. Als mir nach rund 4.5 Stunden auch der 27. Versuch misslang, schaltete ich genervt die Xbox aus. Ich langweilte auf der Stelle und beschloss jemandem dafür die Schuld zu geben, dass mein Durchschnitt-Level-15-Team zu schwach war, einen simplen Bergdrachen zu besiegen.

„Mami, was soll das? Kutscher und Peitscher vom „Gälen Wägeli“ sind soeben wieder abgedüst, warum zum Teufel schickst du Leute von der Nervenheilanstalt bei mir vorbei?“

„Schatz, du lebst seit einer Woche von der Außenwelt abgeschnitten! Du hast mit deinem Freund Schluss gemacht, gehst nicht mehr arbeiten, du postest durchschnittlich nur noch etwa 3 Nachrichten pro Tag auf Facebook, du twitterst nicht mehr, du warst bis jetzt noch nicht mal „Social Network“ im Kino gucken… Deine Friends und Follower machen sich große Sorgen!“

„Ja, das stimmt alles. Aber ich möchte dass du weißt, dass ich endlich zu etwas Größerem berufen wurde, als diesem traurigen, tristen Real Life. Wegen etwas fehlender Onlinepräsenz muss man doch nicht gleich ein Büro auf machen!“

„Nein, aber es ist bei dir einfach… in höchstem Maße ungewöhnlich.“

„Ja, ich muss jetzt gehen.“

Ich lud den letzten Speicherpunkt und beschloss, beim Verlassen der letzten Ruhestätte Andrastes halt NICHT den Gong zu schlagen.
Das wat der erste Teil von „Der Untergang meiner selbst – Sarahs Ausstieg aus dem Sozialleben“. Fortsetzung folgt…

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