Tag der Entscheidungen

Nach fast einem Monat bahnbrechender Gesetzeslosigkeit habe ich mich ausgetobt. Ich ging an jedes Limit dass die weibliche Ausgabe eines Menschen erleben kann und fühle mich jetzt vollständig erneuert.
Es war eine schöne Zeit.

Aber Schluß damit, ab jetzt geht es wieder weiter im tatsächlich zivilisierten Teil der Zivilisation. In den letzten Wochen ist soviel passiert, ich kann es gar nicht recht beschreiben. Deswegen lass ich es. Aber ich kann von meinem heutigen Tag berichten….

dem Tag… der Entscheidungen! … ungen … ungen … ungen

Alles fing schon ganz früh am Morgen an. Ich wurde vom Wecker aus einem krass schönen und angenehmen Traum gerissen und stand bereits der ersten Entscheidung gegenüber: Weiterschlafen oder Aufstehen?
Da es sowieso unmöglich gewesen wäre, an derselben Stelle wieder in den Traum einzusteigen entschied ich mich für’s Aufstehen.

Tja, dann wurde ich vor die üblicherweise schwerste Entscheidung des Tages gestellt. Was ziehe ich bloss an? Das Hadouken-Shirt? Nein, Beige sieht an mir scheiße aus…. Das Zombie-Abwehrtechniken-Shirt? Ist zwar immer brauchbar, doch das habe ich schon gestern getragen. Hm, das Venkman T-Shirt vielleicht? Auch beige. Das Army of Darkness Shirt? Zu nerdig.
Meine Wahl fiel auf das „Back to the Future“ Shirt, indem ich mich immer wohl fühle und für das ich in Cambridge mal von einem coolen Kellner beneidet wurde.

Tja, weiter zur nächsten Entscheidung. Frühstück oder nicht? Banane. (Ehrlich gekauft, dieses Mal!)

Und von der Banane direkt zum iPhone. Podcast oder Musik? Da ich mir ja tatsächlich den Großteil (okay, bisher etwa 4/19) der GameOne Podcasts anhöre, womit ich in der Redaktion aber auch die Einzige bin, entschied ich mich für den Playstation Jubiläums-Plauschangriff.

Im Bus musste ich lachen und wurde schräg angeguckt von der alten Frau gegenüber. Ich spielte mit dem Gedanken sie darüber aufzuklären warum ich grinste. Doch ich glaube, es wäre zweckslos gewesen ihr zu erklären, wie die Playstation Konsolen früher manipuliert wurden und zu welchen Problemen diese lustigen Wechseltricks zwangsläufig geführt hatten. Wahrscheinlich fand sie das nicht lustig.

Als ich aus dem Bus ausstieg, wartete die nächste Entscheidung bereits auf mich. Links den schnellen (Geheim!) Weg zur Redaktion nehmen, oder beim Bäcker vorbei einen leckeren Kakao holen?
Ich entschied mich für den Kakao. Tatsächlich gehe ich schon so oft da vorbei, dass ich lediglich noch gefragt werde, ob ich das Übliche will. Es sind die kleinen Sachen im Leben, die mir Freude bereiten.

Mit dem warmen Kakao an der Lippe und in den Händen legte ich die letzten paar Meter in den Minusgraden zurück. Boah, was für eine Scheißkälte in Hamburg, das geht ja mal gar nicht!

Tja, das Redaktionsleben ist immer voller Entscheidungen (Croc, Pizza oder Nudeln? (Croc!) Welche Sosse will Etienne zum Croc? (Kräutersosse!) Was wollte ich nochmal machen, als ich plante in die Küche zu gehen? (Hab’s vergessen!) Zur Redaktionssitzung gehen oder nicht? (nö…), Musik hören beim Schreiben? (Nein, sonst müsste ich mich ja entscheiden, welche!)) , deswegen will ich gar nicht näher darauf eingehen.

Das Problem ist, heute hatte ich eine sehr wichtige Entscheidung zu treffen, die definitiv einen Einfluss auf den Rest meines Lebens hat. An dieser Stelle musste ich gerade seufzen, obwohl ich die Entscheidung längst getroffen habe.

Die Sache war nämlich die (ich brings in Stichworten, sonst dauert dies noch ewig und ich weiche noch mehr von meinem ursprünglichen Ansatz ab, den ich irgendwann zu Beginn dieses Eintrags hatte):
Mail aus England gekriegt / Angerufen weil Mail nicht eindeutig / Deadline gesetzt

Heute war also der Tag, an dem ich der überaus netten und unerträglich unkomplizierten und verständnisvollen Ms Watson mitteilen musste, ob ich die Stelle (vom 1. April bis September) annehmen würde oder nicht.
Die ganze Woche über hatte ich mein Hirn zermartert und mit jedem darüber gequatscht, der genügend Geduld hatte mir zuzuhören (Mami („Mach was du gut findest!“) , Papi („Wird ne Bauchentscheidung“) , Melanie („Machs! Geh! England, Alter!“), Nora („Joa, ist deine Entscheidung“), Budi („Entscheidungen sind scheiße!“)).

Ich sehe schon, dass dieser Beitrag meine übliche Klammer-Quantität sprengen wird.

Jedenfalls fing ich vor eineinhalb Wochen natürlich gleich damit an, Listen zu schreiben. Pros and Cons. Was spricht für England / gegen England, was für Deutschland / gegen Deutschland.
Schlußendlich musste ich einsehen, das alles seine Vor- und Nachteile hatte. Wirklich restlos alles. Jedes Argument hob sich selbst mit einem anderen wieder auf. Zum Kotzen, sowas!

Tatsächlich fällte ich die Entscheidung erst mit Ms Watson zusammen. Ich schob das Gespräch so lange vor mich her, wie möglich. Rief sie aber superpünktlich an (ohne das wir etwas spezifisch vereinbart hätten) und quatschte, nervös wie ich war, drauflos. Ms Watson zeigte völliges Verständnis und brachte das eine Argument, den einen Faktor, den ich nie berücksichtigt hatte bei all meiner Nachdenkerei!

„Überleg es dir so: Wenn du hier bist wirst du es nicht richtig geniessen können, wenn du dir nebenbei dauernd Sorgen machst mit Bewerbungen und wie es weitergehen soll und so. Wenn du nicht voll da bist, bringt es dir ja schlußendlich auch nichts.“ Und würde ich ans Auswandern nach England denken, wäre ich ja auch für GameOne nicht mehr 100%ig da, sondern würde schon ans nächste denken. Ja. Nein. Ist klar.

„I see. Well, then I’m afraid I have to decline your offer.“

Ein Satz. Eine Entscheidung. Done. Continue.

Was wird jetzt aus mir? Sind meine Auswanderungsträume für immer aus der Welt? Gehe ich je nach England? Was wird jetzt hier los sein? Wohin werde ich umziehen? Wie lange werde ich das Praktikum noch fortführen? Was geht eigentlich ab hier? Und warum klebt da Kaugummi an meiner Decke?

Tja diese und viele weitere Fragen werde ich in den nächsten Monaten zwangsweise auf den Grund gehen. Jetzt muss ich aber erst mal was Essen.
Kochen oder bestellen…?

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