Deljlas Chaos Chronicles

Nun, was sind die Chaos Chronicles?
Einfach gesagt waren es meine bescheidene Kontribution zum Fliegenden Geschwader.
Etwas komplizierter ausgedrückt sind es Geschichten, die ich während meiner Zeit unter den Bolithianern geschrieben habe. Das ist jetzt schon viele Jahre her und die Geschichten sind so schlecht, dass ich sie ohne Angst mit nur einem kleinen Anteil schlechten Gewissens hier veröffentlichen kann.

In den Chaos Chronicles spielen folgende Charaktere eine grosse Rolle: Mein Alter-Ego Deljla, eine Marineoffizierin (mittlerweile bin ich auf dem Level eines Colonels sitzen geblieben, was aber nicht so schlimm ist), Zorunn, Offizierung der Königlichen Marine Ihrer Majestät, Galab, seines Zeichens Konteradmiral (der roten? Der weissen? Der blauen?) Flagge, Sven, der Piratenfürst (ein unehelicher Sohn Shionas, wenn ich mich recht erinnere) und Lady Catherine, die wir schon als Yvette in „Morgen Grauen“ kennen gelernt hatten. Ich glaube das waren alle realen Personen, die ich kenne. Thomas Pullings gibt es ja leider nicht wirklich… ;-)

1.

The most incredible and very adventurous adventures of Deljla

Also… diese Geschichte entspringt jeglicher Logik und Erzählweise wie wir sie bis jetzt gekannt haben, von dem her sollte sich ein Leser niemals über irgendeinen Sinn von irgendetwas fragen, denn darauf gibt es keine Antwort.

Frei unter dem Motto „Nicht alles was lustig ist, macht keinen Sinn und nicht alles, was keinen Sinn macht, ist lustig“ tauchen wir nun ein in die Welt die in eines Schreibers kleinen Kopf existiert, indem es von Seeungeheuern wie weiblichen Offizieren und unkonventionellen neuorientierten Piraten nur so wimmelt.

2.

Into the Caribbean!

Da die Karibik etwa 44 % aller marinehistorischen Geschichten / Romane / Filme darstellt (man muss aber noch hinzufügen, dass das berüchtigte Kap Hoorn denselben Prozentsatz teilt), wird auch diese Handlung dort Platz nehmen. (Die andere Begründung wäre dann auch, dass sich Piraten nicht zwingenderweise gerne um das Kap Hoorn aufhalten…)

Ich ignoriere jetzt mal die geschichtlichen Fakten, die Geographie oder Politik der Karibik der Jahre 1800 – 1810 und erkläre die Lage dort:
Die Karibik ist aufgeteilt in verschiedene Häfen und Siedlungen, jeweils aus französischer, englischer, holländischer, spanischer oder spartanischer Herkunft (mit der spartanik sind keine behelmten, paranoiden Völker mit Vorliebe für überdimensionale Holzpferde und Eulen gemeint, sondern die Piratenfraktion, die -teilweise- keinen Wert auf ihr äusseres Erscheinen oder das ihrer Siedlungen legt).

Unsere Heldin ist eine eigentlich noch recht junge Frau namens Deljla. Ein sehr seltsamer Name, in der Tat, doch die Arme konnte auch nichts dafür. Aber ihr blöder Name konnte ihre Entscheidungsfreudigkeit und Abenteuerlust nicht unterdrücken und so kam es, dass sie sich in ihren noch jüngeren Jahren bei den Royal Marines bewarb. Es war sehr unüblich, dass sich eine Frau zu jenen begab oder gar zur Navy wie man später sehen wird, aber Üblichkeiten oder gar Normalitäten kommen in dieser Geschichte vermutlich sowieso zu kurz.

3.

Ringel- Bimmel

Also. Um endlich mit einer Art Erzählstrang zu beginnen, begeben wir uns nach Port Royal, ins Zimmer des amtierenden englischen Gouverneurs, der gerade die junge Kapitänleutnantin Zorunn auf ihre erste Mission schicken wollte.
„Wie bitte? Ringel Bimmel?!“, rief diese aus, nachdem der Gouverneur ihr den ehrenwerten Namen der Brigg eröffnet hatte.
„Nun, meine Tochter dachte es wäre ein witziger Name“, meinte der ältere Mann und steckte sich eine Traube in den Mund.
‚Möge er daran ersticken‘, dachte Zorunn sprach es aber nicht aus.
Es war schwierig sich als Frau in der Navy zu behaupten und sie hatte es immerhin geschafft, einen guten Namen als fähige Leutnantin zu machen und jetzt sollte sie endlich ein Schiff erhalten und dann so etwas? Ringel Bimmel?!
Die Tochter des Gouverneurs war etwas absonderlich. Die Männer Port Royals mochten sie, denn sie hatte grosse Brüste die sie gerne offensichtlichst vor sich hin schob und besass über nichts was man ‚Denkvermögen‘ oder ‚Verstand‘ hätte nennen können. Es waren vielmehr Verknüpfungen in ihrem Kopf die von einer falschen Stelle ausgingen und nach einer völlig vermurksten Laufbahn an einer noch falscheren Stelle wieder einsetzten.
So kam es, dass ihr Vater eines Tages freudig in ihr Zimmer spaziert kam und ihr mitteilte, dass ihre alte ‚Schulfreundin‘ Zorunn eine spanische Brigg erhalten würde, deren Namen man ja nicht aussprechen könne. Sie solle sich einen Namen einfallen lassen. Tja und durch irgendeinen ironischen Zug des grausamen Schicksals war ‚Ringel- Bimmel‘ genau das, was dem dummen Geschöpf in diesem Moment durch den Kopf ging. Und um die Situation perfekt zu machen, hatte sie den Ausdruck, den sie so lustig fand, auch noch laut vor sich hin artikuliert, worauf der Gouverneur es als Antwort aufgefasst und fantasiereichen Einfall abgetan hatte, womit er sich eigentlich des blöden Namen schuldig machte. Aber das weiss ja niemand.
Doch nun stand eben die arme Zorunn in ihrer besten Uniform vor dem Gouverneur und starrte diesen fassungslos an.
Mordpläne um eine gewisse Frau zogen ihr stetig durch den Sinn, doch sie wusste, dass sie jetzt keine Zeit dafür hatte und zudem fehlten ihr bestimmt noch Männer für die Besatzung. Also fragte sie danach und vergass einen kurzen Moment den Namen.
Hätte sie gewusst, dass wenn sie ihren Unmut über die lächerliche Nominierung Luft gemacht hätte, hätte der Gouverneur mit dem leitenden Admiral geredet, der den Namen natürlich auch für -gnädig gesagt- völlig unpassend für ein Kriegsschiff der Royal Navy gehalten hätte und ihr Freigabe für eine andere Überlegung gegeben hätte, doch in diesem Fall würde er erst in einem Monat davon lesen, wie eine gewisse Brigg namens Ringel Bimmel ruhmreich eine – nein, nein, nein, da wird bereits zuviel verraten. Also, zurück ins Haus des Gouverneurs und seiner dämlichen Tochter.
„Es fehlen nur etwa 20 Matrosen bis zur Sollstärke, jedoch müssen Sie sich eigene Offiziere suchen das gilt auch für die Marines… „, meinte der Gouverneur. Er wusste genauso gut wie die Kapitänleutnantin selbst, dass in Port Royal kein einziger Rotrock mehr aufzufinden war, nachdem sie erst kürzlich einen Piratenangriff und die Pressgangs eines Admirals durchlebt hatten. In umgekehrter Reihenfolge natürlich.
Die entstandene Stille brachte den amtierenden Gouverneur von Port Royal so arg wieder zur Erkenntnis, dass er sich in Sachen Navy überhaupt nicht auskannte, dass er sich noch einmal geräuschvoll räusperte. rot wurde und etwas wie „Sie können jetzt auslaufen, ich meine, Sie haben die Erlaubnis…“ und machte Gesten in Richtung Tür. Zorunn wünschte dem alten verwirrten Mann noch einen schönen Tag und begab sich in Richtung Hafen.

4.

The Beginning

Also, liebe Leser, das war soeben ein sogenannter ‚Prolog‘. Ein Prolog ist üblicherweise dazu da, erste Einblicke in das Leben eines Buchcharakters zu gewähren oder den Leser darauf vorzubereiten, was ihn in der darauf folgenden wirklichen Geschichte erwartet. Er kann aber auch da sein um erste Spannung aufzubauen oder um den Leser vor einer langweiligen Fortsetzung zu warnen.
Meine Geschichte wird beginnen wie eine enorme Vielzahl maritimer Bücher einst begonnen hatte...

Das Septemberlüftchen wehte von Nordosten her über die Insel vor Port Royal, es orgelte in der Takelage und jagte immer wieder weisse Schäfchenwolken vor sich her. Dann legte sich immer ein kleiner Schatten über die Uniformen der Offiziere und Mannschaften, die der unerbittliche Dienst an Deck festhielt. So stetig und so lange hatte das Lüftchen schon geweht, dass sogar das mächtige Linienschiff, das in den geschützten Gewässern vor dem Hafen vor Anker lag, jetzt mit kleinen braunen Blättern übersät war.
Jetzt näherte sich von Land her ein fremdes Boot, zwei wetterfeste Frauengestalten trieben es mit ihren Riemen kräftig voran, obwohl es bei dem agilen Seegang auch fast alleine in Richtung Schiff getrieben wäre. Die beiden Ruderinnen verstanden sich offenbar ausgezeichnet auf ihr Geschäft.
Mit raschen Blicken über die Schultern hielten sie ihr Fahrzeug auf Kurs. Allmählich kam das Boot der Ringel Bimmel immer näher und hielt schon auf deren Steuerbordgrossrüsten zu, als es vom Fähnrich der Wache angerufen wurde.
“Aye, aye!” gab das Frauenzimmer am Schlagriemen mit gewaltiger Lungenkraft zur Antwort.
Nach einer seltsamen uralten Überlieferung in der Marine bedeutete das (he, das könnte glatt von mir sein :D), dass sich an Bord ein Offizier befand.
Dieser Offizier hieß Deljla zum Vornamen und trug eine hummerrote Uniform.

5.

If we had to choose…

“Deljla”, rief der Seesoldat der vor der Tür Wache stand und wurde fast so rot wie seine eigene Uniform und stammelte “hat keinen Nachnamen angegeben… darum habe ich mir die Freiheit genommen…”, doch Kommandantin Zorunns Miene hellte sich schlagartig auf und sie strich noch kurz ihren Uniformrock glatt. Die Tür ging auf und die Farbe rot dominierte plötzlich das Kapitänslogis.
“Deljla, meine Gute! Was für eine Freude Sie zu sehen!”, rief Zorunn überschwänglich und die beiden jungen Frauen schüttelten sich herzlich die Hände.
“Wie geht es denn? Gut, hoffe ich!”, fragte Deljla, die die Regel dass Unteroffiziere eigentlich nur nach gestellten Fragen antworten, noch nie wirklich beachtete, was besonders gut kam bei sonst so stieren Dinners…
“Oh, ja, ja… Wenn man mal vom Namen des Schiffes absieht…”, antwortete Zorunn den Kopf schüttelnd.
“Hm, ich sehe… Könnten wir ihn nicht ändern?”
“Nein”, antwortete Zorunn und schüttelte den Kopf noch mehr. “Es ist schon offiziell und die Lackierung ist auch schon drauf.”
“Oh, Schande aber auch. Man wird uns nicht ernst nehmen, fürchte ich.”
“Wenn die Rainbow ernstgenommen wird sollten wir es sehr wohl auch sein… Sein werden…ähm…werden sein…?” Deljla winkte ab, Grammatik war in dieser Geschichte auch von keiner grösseren Bedeutung.
“Wir sollten uns deswegen nicht bekümmern, schließlich stehen wir über den Dingen”, meinte die Leutnantin, grinste und schob sich eine Traube, die sie von Zorunns Tisch genommen hatte in den Mund. Diese lächelte und sagte “Wir stehen über den Dingen” und nahm sich ebenfalls eine Traube. “Sag mal, hättest du einen Vorschlag was einen Ersten angeht?”
Deljla überlegte einen Moment.
“Erinnerst du dich an den hübschen Blonden von Lady Witherlys Party?”
“Ja, Jack Barrow, der wurde auch zum Kommandanten befördert und sitzt irgendwo in Indien.”
“Der ging zur Handelsflotte?” Zorunn nickte.
“Feigling.”, meinte Deljla.
“Erinnerst du dich an den mit den blauen Augen und den schwarzen kurzen Haaren?”, fragte Zorunn. Deljla verschluckte sich an einer Traube.
Zorunn grinste. “Ja kenne ich”, antwortete Deljla nach einigem Zögern mit roten tränenden Augen.
“Wo ist der echt?”  Deljla wurde ziemlich rosa um die Wangen und nuschelte etwas von ‘ewig nicht mehr gesehen…neues Patent… Weltumsegelung…wo auch immer…’
Plötzlich hellte sich ihre Miene auf.
“Hee, der Typ der sich so über sein neues Patent gefreut hatte gestern!”
“Hä, wer?”
“Ja, ja, ja ein ganz hübscher junger Leutnant… Von der North Shore glaube ich… Also ich meine, er war da als Mastersgehilfe tätig und gestern im Pub hat er mit seinen Freunden sein neuerrungenes Patent gefeiert… Wie hieß der noch gleich… Mensch, ich bin so unglaublich schlecht mit Namen…”
“War irgend jemand mit dir zusammen?”, fragte Zorunn.
“Ja, Miss Miller und Ellis! Erinnerst du dich an Ellisandra? Sie hatte uns doch so nett geholfen, damals in Bath, als-…”
“Ja, ich erinnere mich”, sagte Zorunn schnell um eine jahrelange Abschweifung auf sämtliche ihrer früheren Abenteuer vorzubeugen, die am Schluss wahrscheinlich auch noch beim schwarz haarigen, blau äugigen Leutnanten vorbeigekommen wäre.
“Das schreit nach einem Landgang”, meinte Zorunn und ass die letzte Traube.
“Haben wir noch Zeit?”, fragte Deljla und blickte etwas missmutig drein, denn sie mochte Trauben.
“Das Schiff ist startklar, wir könnten mit jeder Tide auslaufen, nur fehlen uns noch Offiziere… Zwei Leutnanten, ein Schreiber, ein Zimmermann…”
“Okay” meinte Deljla und lächelte “Gehen wir Ellis einen Besuch abstatten, weißt du noch als wir damals in Yorkshire … …

6.

He‘s the one

Ellis freute sich natürlich aussergewöhnlich fest über den Besuch zwei ihrer alten Freundinnen. Sie begann sofort damit, sich laut an Bath zurück zu erinnern, wo Deljla glücklich miteinstimmte, aber Zorunn mußte die beiden unterbrechen, noch ehe sie bei der Wette mit dem jungen Kaninchen, dem Cognac-Glas und dem zweiten Sekretär der Admiralität angelangt waren, wo sie sich nur wieder darüber auseinandergesetzt hätten, ob er jetzt sturzbetrunken oder nüchtern gewesen war … Oder ob das Kaninchen sturzbetrunken war. Aber wahrscheinlich, dachte Zorunn, waren es einfach Deljla und Ellis, die zu viele mit Cognac gefüllte Cognac-Gläser gehabt hatten. Sie räusperte sich.
“Ich habe gehört, ihr wärt gestern zusammen ausgegangen…?”, meinte sie.
Ellis antwortete fröhlich “Ja, wir waren im Pub gleich am Hafen, zusammen mit Anna Miller, weißt du, das Pub mit der guten Schokolade”
“Ja, ja, ja, ich weiss”, antwortete Zorunn langsam etwas ungeduldig und streckte Deljla mit einem mörderischen Blick nieder, die gerade etwas über die hausgemachte Schokolade sagen wollte.
“Ich hörte ihr habt euch einer recht angemessenen Gesellschaft erfreut”, meinte Zorunn an Ellis gewandt.
“Oh, nein, ausser ein paar Seemännern und diesem Leutnanten, der gerade befördert wurde, diesem…”
Beide, Zorunn und Deljla lauschten gespannt “Oh jetzt habe ich seinen Namen vergessen! War ja auch unmöglich zu merken… “
Zorunn hätte am liebsten das kleine Teetässchen zerquetscht, liess sich aber nicht gehen sondern seuzte nur.
“Wartet mal!”, rief Ellis plötzlich und Deljlas und Zorunns Mienen hellten sich wieder schlagartig auf  “…ach nein doch nicht.”, meinte Ellisandra.
“War’s nicht etwas mit ‘s’?”, fragte Deljla. Ellis überlegte einen Moment.
“Ich glaube nicht.”
“Doch, doch, es war doch ‘s’… Sparks? Skinner? Yeoman?”
“Nein, nein, nein.”
“Baldwin? Torrent? Hollar?”
Ellisandra guckte Deljla an, die aber wirklich angestrengt zu überlegen schien.
“Ich glaube es war etwas mit ‘T’ oder ‘P’”, versuchte sie zu helfen.
“Parker? War’s nicht Parker? Oh, ja ich bin mir ziemlich sicher! Genau!”, rief Deljla aufgeregt. Ellisandra schüttelte den Kopf.
“Ich glaube es war Purefory… Oder Pu…”
“Pullings?”, rief Zorunn auf einmal. Beide Mädchen sahen auf und brachen gleichzeitig in ja genaus und du bist ein Genie aus.
“Der junge Tom Pullings, doch, den kenne ich, er wohnte eine Zeit lang im Nachbarhaus, damals in Portsmouth… Meine Eltern mochten ihn nie, er war ihnen etwas unheimlich, weil er so jung war und ganz allein wohnte. Seeoffiziere sind nun mal so… Ich habe oft mit ihm geredet!… Ich war damals etwa 10, das war kurz bevor ich das erste Mal zur See fuhr…”
“Thomas, genau, das ist er, Thomas Pullings.”, meinte Ellisandra “Er ist ein guter Freund von  Algernon Bentley.“
“Algy? Dem wollte ich sowieso schon lange mal wieder einen Besuch abstatten…”, meinte Deljla.

7.

A real Dandy

Gesagt getan. Glücklicherweise wohnte der junge Mann noch immer in Port Royal, man vernahm aber, er reise viel. Algernon war das, was man einen Dandy nannte. Durch und durch Gentleman, nur seine Kleidung fand Zorunn leicht seltsam. Er trug einen sehr engen Rock, darunter ein edles Hemd aus Seide, dazu eine karierte Hose, die unter dem Knie in Strümpfe überging, welche in den Schnallenschuhen irgendwo endeten. Er wirkte trotz allem einfach ungemein elegant und es passte auch zu ihm, dass er sich nicht überschwänglich über Deljlas Besuch freute.
“Algy, wie geht’s?”, fragte sie nett und zog ihren Zylinder.
“Du schon wieder”, antwortete er gelangweilt. Deljla setzte sich den Hut wieder auf den Kopf. Sie blickte sich einen Moment in seiner Wohnung um.
“Hübsche neue Wohnung hast du. Selbst eingerichtet?”, fragte sie in einem lockeren Plaudertonfall.
“Ich wohne hier seit 10 Jahren.”
“Oh. Nun, wie auch immer, kommen wir zur Sache-…”
“Du schuldest mir noch Geld.”
“Wie bitte?”
Algernon nickte. “Erinnerst du dich als wir uns mal in St. Kitts getroffen hatten?”
“Nein.”, meinte Deljla. “Hör zu, du bist doch ein guter Kollege von Tom Pullings, oder?”
“Es sind etwa 245 englische Pfund glaube ich…”
“Ellis sagte er wäre ein Kollege von dir…”
“… weil ich dir damals aus einer ziemlich prekären Situation heraus zur Hilfe eilte…”
“… und wir bräuchten eben noch dringend ein paar Offiziere…”
“… du hattest noch nicht mal zu fragen gebraucht…”
“… damit wir rechtzeitig auslaufen können um unseren Ordern nachzugehen…”
“… ich war einfach viel zu nett…”
“… weißt du wo ich ihn finden könnte?”
“… In der Unicorn, das ist noch an derselben Strasse weiter oben.”
“Danke, ich glaube ich schulde dir noch Geld, oder?”

8.

No !

“Guten Tag, befindet sich ein gewisser Thomas Pullings hier?”, fragte Zorunn die ältere Dame, die im Gasthaus Unicorn hinter der Bar stand.
“Der junge Herr Leutnant? Ja, er hat eben gestern sein Patent erhalten, jetzt schläft er noch seinen Rausch aus.”
“Es tut uns sehr Leid, aber wir müssten seinen Schlaf unterbrechen”, meinte Zorunn.
“Oh, das ist kein problem.”, meinte die Frau und rief nach Beatrice, einem Mädchen deren Kartoffelnase auch eine direkte Abstammung von der Frau hinter dem Tresen verriet, und schickte sie nach oben den Leutnanten wecken.
“Ich wollte das schon vor einer Weile tun, er hat heute nämlich noch nichts gegessen”, meinte die Frau. Deljla und Zorunn warteten gespannt.
“Sieht er immer noch gut aus?”, flüsterte Zorunn Deljla zu, welche ganz grosse Augen machte und aufgeregt nickte. Zorunn stand stramm und verschränkte ihre Hände hinter dem Rücken, wie Nelson es immer tat. Nach einer Minute kam das junge Mädchen wieder hinunter und berichtete, dass sie die beiden Damen angemeldet hätte.
“Sehr gut.”, meinte Zorunn nur. Nach weiteren etwas längeren Minuten kam endlich jemand die Treppe herunter. Das ziemlich geräuschvoll und ganz und gar nicht angemessen gekleidet, was dem armen Mann auch auffiel und er errötete, als er die uniformierten Damen sah.
“Es tut mir so Leid, ich dachte- … Als Bea sagte dass zwei Damen kämen, da-…” als Deljla zu kichern anfing und Zorunn ärgste Mühe hatte ein Grinsen zu unterdrücken stoppte er bevor es noch peinlicher wurde.
“Wir wollen Sie nicht lange aufhalten, Herr Pullings”, sagte Zorunn. “Gratuliere zum Patent”
“Danke!”, erwiderte der junge Leutnant und strahlte vom einen Ohr zum anderen. Während Zorunn nach einer guten Formulierung ihrer Notlage suchte, die es nicht so stark nach Notlage riechen lassen würde, brachte Pullings seinen Mut auf eine Frage zu stellen.
“Seid ihr echte Offiziere?”, fragte er ganz vorsichtig. Deljla starrte ihn ungläubig an, Zorunn eher gelassen. Sie war es gewohnt.
“Ja, sind wir”, antwortete die Letztere “Mein Name ist Zorunn, ich bin die Kommandantin vom Schiff seiner Majestät Ringel Bimmel-…”
“Warte mal”, unterbrach Pullings sie und grinste sie an “Ringel Bimmel?” Zorunn beschloß das zu ignorieren, während Deljla ihm gerade leise zuflüsterte, dass sie auch nur Opfer der brutalen Hierarchie der Navy und deren hirnlosen Töchtern waren.
“… einer Brigg von 11… Höchstens 12 Stücken. Wir werden uns als nächstes nach Nevis begeben um fehlende Matrosen und Marines aufzunehmen.” Pullings, der sich noch nicht ganz an den Gedanken kommandierender Frauenzimmer gewöhnt hatte, überlegte einen Moment.
“Ich wollte eigentlich nach Portsmouth mit dem nächsten Schiff das die Nordwest Passage nimmt-… Beziehungsweise… Nordost…”, meinte er zögernd.
“Was für ein Zufall, da wollten wir ja auch hin!”, rief Deljla und knuffte Zorunn in die Rippen als diese gerade empört verneinen wollte. Sie verstand.
“Wir würden Sie sehr gerne mitnehmen, wirklich, und wenn sie dabei noch Ihren Dienst tun können, wär das ja eine ganz feine Sache” Einen kurzen Moment lang zogen überzeugende Epauletten durch Pullings Gedächtnis und er sagte zu.

9.

Catfight

“I’m a sexmachine, ready to reload…”
“Wir haben ihn angelogen”, meinte Zorunn und unterbrach Deljla dabei beim Weitersingen, worüber ihr die restlichen Matrosen in der Barkasse regelrecht dankbar waren.
“Ja und? Du hast mich auch angelogen!”
“Was? Nein, habe ich nicht!”
“Geh doch zu den Seesoldaten, dort gibt’s schöne Uniformen und wir können miteinander herumreisen!“, äffte Deljla Zorunn nach.
“Stimmte doch”, verteidigte sich Zorunn geärgert.
“Die Uniformen sind ein Mist!”
“Warum? Rot steht dir doch ausgezeichnet”, grinste Zorunn. Deljla stocherte mit der Degenspitze auf dem Boden des Bootes herum “Aber sie ist so unförmig”, meinte sie trotzig.
“Stimmt doch gar nicht”, erwiderte Zorunn.
“… und der Zylinder ist auch doof”, meinte Deljla.
“Den hast du ja sowieso nie an”, meinte Zorunn gelangweilt.
“Ja und?”, rief Deljla zornig “Ich wollte auch immer mal Leutnant werden! Und jetzt hast du ein eigenes Schiff, was habe ich? Ein paar Schimpansen von Corporals, die noch nicht mal recht auf mich hören wollen!“
“Naja, Navy-Leutnant das hätte dir bestimmt nicht gefallen, dafür braucht man mehr Autorität.” Zorunn bereute den Satz, den sie eigentlich automatisch gesagt hatte, augenblicklich. Deljlas Gesicht nahm eine sehr blasse Färbung an und blickte Zorunn hasserfüllt an.
“Du bildest dir ein, soviel besser als ich zu sein, nur weil du so einen verdammten Kahn hast!”, rief sie wutentbrannt so laut, dass sich die Matrosen, die hinter ihrem Rücken pullten, erschrockene Blicke austauschten. Auch Zorunn war mit der Lage nicht ganz zufrieden.
“Es tut mir leid ich habe es nicht so geme-…”
“Natürlich hast du es so gemeint! Ich habe doch auch schon gehört wie du es dem Fähnrich eingebläut hast, autoritärer zu sein, weil er sonst Fischfutter wär, du bist ja richtig verliebt in deine Moralpredigten, oder?!” Zorunn, der das Wort Moralpredigt noch nie gefallen hatte, sagte giftig
“Du bist doch nur eifersüchtig.” Und genau das war auch der Punkt. Deljla war eifersüchtig auf Zorunns Uniform, auf ihren Autoritätsumfang, auf die bewundernden Blicke, die sie auf der Strasse immer auf sich zog, sogar von anderen Frauen und sogar auf ihren Zweispitz, über den sie sich immer lustig gemacht hatte. Und in diesem Moment hasste Deljla Zorunn von ganzem Herzen.

10.

The World is your Lobster (Part 1)

Als Pullings noch einen Moment in der Barkasse stehen blieb, bevor er die Jakobsleiter hoch kletterte, hatte er noch keine Ahnung dass ihn seine erste Mission genau dahin führen würde, wo er gerade stand, wenn auch an der anderen Bordwand. Von seiner Barkasse aus stieg er der Tradition gemäss die Steuerbordwand empor, grüsste traditionsgemäss die Flagge und wurde traditionsgemäss vom bisher höchsten Offizier empfangen, bis er sich seiner eigenen Tradition gemäss einen kurzen Moment in seine Kammer zurückzog. Dort wurde aber nach kaum einer Minute schon dreimal geklopft und man vernahm die Stimme eines Seesoldaten der gerade indem Moment an seinen Posten geschupft wurde und dadurch etwas niedergeschlagen und beschämt klang
“Die Kommandantin.”
Pullings verschluckte sich an seinem Glas Wasser, das er sich traditionsgemäss hatte kommen lassen und hustete mit tränenden Augen als Zorunn die Kabine betrat.
“Wohl bekomm’s”, meinte sie.
“Ma’am!”, keuchte Pullings. “Es tut mir so Leid, ich wusste nicht dass sie schon an Bord-”
“Keine Panik, ich habe das Deck schon vor etwa 3 Stunden betreten”
Pullings wurde auf einen Schlag leichenblass.
“Keine Panik”, beruhigte ihn Zorunn “Sie sind genau pünktlich angetreten, wie ich es gewünscht hatte” Pullings versuchte so gefasst dreinzublicken, wie es möglich war, ohne sich die Tränen aus den Augen zu wischen, die der Hustenanfall in ihm hervorgerufen hatten. Zorunn wirkte, als versuchte sie Zeit zu gewinnen. Dann aber blickt sie einen Moment sehr unangenehm berührt drein, räusperte sich und begann wieder zu sprechen.
“Da ist eine Angelegenheit… Sir, die sich -ich denke- nur durch Sie bereinigen lassen kann” Pullings horchte auf, Zorunn stockte.
“Erinnern Sie sich an die junge Frau die mit mir zusammen ins Unicorn gekommen war?”
“Die… Der Hummer?”
“Ja genau, finden Sie nicht auch dass ihr rot ausgesprochen gut steht?!”
“… ”
“Wie auch immer, diese junge Frau sitzt im Moment in der Barkasse an der Backbordseite und ich würde Sie sogar zusätzlich dafür bezahlen, wenn Sie einfach nur das eine oder andere nette Wort mit ihr wechseln würden…”

11.

The World is your Lobster (Part 2)

Pullings warf einen Blick in die Barkasse unter ihm. Tatsächlich, darin saß das blonde Mädchen das zusammen mit der rothaarigen Captain im Unicorn gewesen war. Er warf einen Blick auf beide Seiten um sicherzustellen, dass er nicht jedermanns Aufmerksamkeit auf sich zog und stieg hinunter in das Boot. Deljla blickte auf, als plötzlich ein Schatten über sie fiel. Es war der Erste, der gerade in ihre Barkasse kletterte.
“Guten Abend”, meinte er gut gelaunt.
“’n Abend”, knirschte sie zurück.
“War ein wundervoller Tag heute, finden Sie nicht?”
“… ”
“Was meinen Sie, werden wir heute noch auslaufen?”
“… ” Pullings seufzte.
“Okay, reden wir Klartext.” Deljla horchte auf, seine Stimme hatte plötzlich jegliche Sänfte und Fröhlichkeit verloren. Er setzte sich Deljla gegenüber auf eine Bank und zog seinen Zweispitz, den er auf den Boden legte. Seine stahlblauen Augen blickten unverwandt in ihre.
“Zorunn hat mich bezahlt um mit Ihnen zu reden…”, sagte er und Deljla seufzte theatralisch.
“Sie wollte mir nicht sagen, was das Problem ist.” Deljla musterte den jungen Pullings. Man konnte nicht abstreiten, dass er für einen Engländer ungemein hübsch war.
“Woher kommen Sie?”, fragte Deljla ihn. Pullings der die Frage für sehr strategisch hielt antwortete; “Hampshire”
“Wo in Hampshire?”
“Meine Eltern haben einen Bauernhof in der Nähe von Whitechurch”
“So, so Whitechurch also…”
“Woher kommen denn Sie, wenn ich fragen darf?”
“Dürfen Sie nicht”, antwortete Deljla streng und das versetzte Pullings wieder einen Dämpfer in seiner Fröhlichkeit, die er soeben wieder erlangt hatte. Deljla fühlte sich gerade auf einer sicheren Seite des Gespräches als ein Schatten über Pullings fiel. Zorunn kam gerade die Bordwand hinab.
“In dieser Barkasse ist kein Platz mehr”, rief Deljla alsbald sie die Gefahr von oben erkannt hatte.
“Ach, das ist doch kindisch”, meinte Zorunn, konnte aber nicht die eigentliche Menge Wut in der Stimme aufbringen, die sie beabsichtigt hatte. Sie setzte sich neben Pullings, der höflich zur Seite rutschte und einen besorgten Blick nach oben warf. Was würden die Leute nur denken, wenn der Kommandant und zwei seiner Offiziere in einer Barkasse neben der Brigg umherdümpelten. Zorunn nahm ihren Dreispitz ab und legte ihn neben Pullings Zweispitz.
“Herr Pullings hat also nicht geschafft, wofür er bezahlt wurde”, meinte sie wofür sie ein empörtes “He!” von Pullings erntete gespickt mit einem beleidigten Blick.
“Hör mal, was ich gesagt habe tut mir so unsäglich Leid!”, begann Zorunn während sich Pullings leise darüber empörte, dass er viel zu wenig Zeit gehabt hätte.
“Sollte es auch”, gab Deljla trotzig zurück. Zorunn seufzte, sie versuchte sich nicht von ihrem 1. Marine Leutnanten aufregen zu lassen.
„Das was ich gesagt habe, tut mir so unsäglich Leid, ich meine… Ich habe mir einfach nichts dabei gedacht und es kam auch irgendwie automatisch“, Zorunn drehte Pullings Zweispitz unsicher in den Händen, den sie vom Boden aufgelesen hatte. Er erinnerte sie an ihre Zeit als Leutnant und hinterliess ien angenehmes Gefühl.
„Natürlich hast du auch Autorität“, fuhr sie fort. „Sonst hättest du’s wohl kaum zum Ersten Leutnanten gebracht. Und ausserdem klingt doch Royal Marine Lieutenant viel besser als Navy Lieutenant…“
Deljla lächelte, Zorunn hatte recht.
„Vergibst du mir?“, fragte die Kommandantin und Deljla lächelte „Natürlich!“ Plötzlich schien Pullings etwas enormes eingefallen zu sein, er wäre schier von seiner Band hochgesprungen, weswegen das Boot jetzt bedrohlich schaukelte.
„Fast hätte ich’s vergessen!“, rief er als Zorunn und Deljla ihn verwundert anstarrten. Er wandte sich an Deljla, die noch immer ihm gegenüber sass „Empfehlung der Kommandantin, sie würde Sie heute gerne zum Dinner einladen!“ Zorunn schüttelte den Kopf.
„Mr. Pullings, ich hatte Ihnen das eigentlich als Grund mitgegeben, warum sie zu einem Hummer in die Barkasse steigen sollten“, meinte sie „meinem Lieblingshummer wohlbemerkt“

12.

Dinner

Das Essen war gut, der neue Steward hatte sich bewährt. Vielleicht weil er vorhin Zorunns schlechten Witz aufgefasst hatte, der sich auf ihn und eine sehr unbequeme Stellung an der Rahnock – oder besser gesagt darunter bezog. Die Tischgesellschaft jedoch verhielt sich für Zorunns Geschmack zu lange zu lasch. Auch wenn sie und Deljla (die den alten Gebrauch in der Navy missachtete, der besagte dass man beim Dinner in der Messe nur spricht, wenn man vom Kapitän angesprochen wird, unter der Begründung dass von KapitänINNEN nie die Rede war) die Disskussionen schon zu Beginn in Gang zu setzen versuchten und die leider nur auf Pullings übergriff (mit dem sich Deljla auch etwas zu gut verstand und ihm in bestimmten Dingen zupflichtete, in denen sie normalerweise eigene Ansichten hatte oder die sie gar nicht kapierte, was nicht ihre übliche Art war). Der zweite Leutnant musste entweder sehr muskulös sein oder an seltsamen Stellen Fett angesetzt haben und sein gorillaartiges Gesicht wurde von schwarzem Haar umrahmt. Er hiess Duncan McLear -ein Schotte- und Deljla lachte ein paar Mal, als sie versuchte sich ihn in einem Rock vorzustellen. Er war sehr gross, oder schien zumindest so, denn wenn man ihn neben Pullings stellte, war er einen ganzen Kopf kleiner. Seine langen schwarzen Haare waren hinten straff zu einem Pferdeschwanz zusammen genommen worden. Der Highlander hatte die Angelegenheit dauernd sehr gestresst zu wirken, ab und zu über sterblichen Dingen zu stehen und wenn er mal etwas sagte, dann nur „Es kann nur einen geben!“.
Der Master war ein langweiliger Liverpooler von 40 Jahren der so versessen über die Whigs herzog, dass man eigentlich froh war, wenn er die Klappe hielt.
Ein junger Offiziersanwärter sass auch noch in der Runde, er hatte kurzes leicht gelocktes Haar und machte auf Zorunn den unzerstörbaren Eindruck eines geborenen Verlierers. Er hiess Horatio Hornblower und war im Gross- und Ganzen ein sehr stilles Wässerchen, das man nur schlecht trüben konnte. Zorunn vermutete in ihm einen gefährlichen Jähzorn und sie hoffte nicht dabei oder gar der Grund dafür zu sein, wenn er mal ausbrechen sollte. Aber das war sowieso eher Deljlas Spezialität.
Gerade hackte sie auf dem 2. Leutnanten herum und traktierte ihn mit ihren nervtötenden Fragen über Schottische Schafswolle. Zorunn wendete sich ihrem ersten zu.
„So, Mister Pullings, erzählen Sie uns mal etwas.“ Pullings Miene heiterte sich merkbar auf und seine Wangen nahmen einen sehr gesunden Teint an, als er seine Hand etwas anhob und bevor er noch das erste Wort sagen konnte rief Deljla
„Aber nicht schon wieder eine Quote über Nelson!“ und lachte. Das warf Pullings vorbereiteten Gedanken über den Haufen und Zorunn wusste schon, was jetzt kommen würde. Tatsächlich stellte der junge Hornblower (der Versager) dann auch die auslösende Frage.
„Mit Verlaub, Madam, warum nicht?“
Deljla guckte ihn zielsicher an:
„Weil ich sowieso die Beste habe.“

Zorunn die die Geschichte schon unzählige Male mitanhören musste drehte gelangweilt ihr Weinglas in den Händen und fragte höflich welche es denn sei, um den Prozess zu verschnellern und Pullings vielleicht doch noch zu Wort kommen zu lassen. Deljla strahlte jetzt schon über das ganze Gesicht (was nur am Wein liegen konnte, denn die Karaffe stand in ihrer unmittelbaren Reichweite neben ihrem Teller) und begann mit ihrer Geschichte.

13.

Dinner, that’s french for… dinner.

„Es war im Frühling 1776-…“
„-77“, berichtigte Zorunn Deljla, die dankend nickte und fortfuhr „…als ich in Portsmouth etwas an den Docks entlanglief. Ich war unschuldige 13 Jahre alt-…“
„14.“, berichtigte Zorunn sie abermals.
„Ich war also 14 Jahre alt, als ich einer Schar junger Männer begegnete. Einer von denen war gerade zum Leutnanten befördert worden. Jetzt ratet mal wer’s war!“
„Nelson…?“, sagte Zorunn gelangweilt.
„Ja! Ha, ha, ha!“, rief Deljla fröhlich und schlug mit der Hand auf den Tisch, als hätte sie eben die Pointe des Witzes des Jahrhunderts gelandet. Ein paar Leute am Tisch schüttelten ihren Kopf, grinsten dabei aber höflich und etwas gezwungen. Duncan rief „Ha! Nelson! Es kann nur einen geben!“, und stimmte in Deljlas Gelächter mitein, was Zorunn wiederum zum Lachen brachte. Nur Pullings blickte noch etwas bescheiden aus der Wäsche, vermutlich wäre seine Quote geistig etwas hochstehender gewesen. Doch Zorunn vergass, ihn noch einmal aufzurufen und hob ihr Weinglas bedeutend.
„Auf die Geliebten und die Ehefrauen!“, rief sie gebieterisch.
„Und auf gute Liebhaber“, fügte Deljla sinngemäss taktlos hinzu „und auf das Vaterland und den König!“, rief Zorunn unbeirrt feierlich.
„Es kann nur einen geben!“, rief McLeod.

14.

11 1/2 Pieces

In Nevis hatte man flugs die nötigen Männer gepresst und für Deljla kamen noch ein paar neue Corporals hinzu. Zudem hatte man den Auftrag erhalten, auf eine inkommende Fregatte namens Endymion zu warten, die unter Konteradmiral Galab gerade den Atlantik überquerte, was aber noch ein paar Tage bis zu einer Woche dauern konnte.
Die Überfahrt oder besser gesagt, das mühsame Aufkreuzen nach Nevis verlief besser, als Zorunn es nach dem Dinner beurteilt hätte.

McLeod bewies sich als fast unfehlbar was die Koordinationen anging (als hätte er die Meere seit Jahrhunderten bereist), Pullings und der erste Leutnant der Royal Marines verstanden sich prächtigst und sogar der junge Hornblower schien es langsam doch zu irgendetwas zu bringen, auch wenn man ihn wirklich nur für idiotensichere Dinge benutzen konnte, weil er sich schnell überfordert fühlte. Im Gegensatz zu den Offizieren bewies sich die Ringel Bimmel als sehr speziell. Zorunn war ziemlich reich, weil sie früher mit der Pearl viele Prisen aufgebracht hatte (als sie noch in Nassau stationiert war, in der Nähe bedeutender spanischer Handelsposten wie Havana und Puerto Principe, sowie holländischer Siedlungen wie Eleuthera) und konnte sich ein tägliches Exerzieren an den Kanonen leisten, was sie auch gnadenlos ausführen liess. Pullings bewies sich dafür als hervorragend überqualifiziert und bewährte sich jeden Tag aufs Neue. Es konnte kein Zufall sein, dass seine Stückmannschaft jedes Mal so effizient wie zielsicher gewann.

Das Exerzieren fand bei einer kleinen unbewohnten Insel statt, nördlich des englischen Handelshafens Antigua statt. Dort mussten Deljla und Zorunn schnell eine seltsame Eigenschaft der Brigg feststellen. Sie verfügte über 12 Stücke. Das hiess, dass beim Exerzieren am Dienstag und am Mittwoch in regelmässigen Abstand zuerst 6 wütende Knaller die Brigg erschüttern liessen und sich dann wenige Minuten danach auf der Steuerbordseite wiederholte. Am Montag, Donnerstag, Freitag, am Samstag und am Sonntag jedoch stiegen sechs Rauchwolken von der Backbordseite auf nachdem es geknallt hatte, an der Steuerbordeinheit jedoch nur fünf.

Die achterste Kanone die den unschönen Namen Excessive Rage trug, streikte. Ihre Stückmannschaft, Zorunn, Deljla und Pullings kamen sich jedes Mal noch lächerlicher vor, wenn sie nach einem Fehler suchten und ihn einfach nicht fanden. Es war einfach so. Excessive Rage feuerte stur nur Dienstags und Mittwochs. Zorunn und Pullings zermürbten sich tagelang den Kopf darüber, aber die Stückmannschaft des Neunpfünders freute es ungemein.

15.

The most perfect vessel

Am Mittwoch darauf war’s dann aber plötzlich so weit. Fähnrich „Hirnblower“ (wie er von Zorunn und Deljla ab und zu genannt wurde) kehrte in der Jolle zurück mit der Nachricht, der Admiral hätte vor ein paar Stunden im Hafen angelegt, wäre aber schon bereit die Damen zu empfangen. Also putzten Zorunn und Deljla sich auf das Beste heraus. Sie trugen die schönsten Paradeuniformen und Deljla sogar eine viel zu überteuerte Schärpe, die sie sich mal in Portsmouth gekauft hatte.
„Boot Ahoi?“, schallte es von der Endymion hinunter. Zorunn -statt eine Antwort zu geben- lief purpurrot an. Sie kannte den Konteradmiral schon so lange und sie hatte Deljla so sehr eingebläut, sich für einmal zusammenzureissen und die beiden nicht zu blamieren, und jetzt so was.
„Sag den Namen, Hirnblower!“
„Hornblower, Ma’am.“, korrigierte sie der Fähnrich an der Pinne rief dann noch lauter „Kommandantin und Offizierin der Ringel- Bimmel!“ Schallendes Gelächter oben, dann wurden Seesoldaten im Nu an der Schanzkleidpforte aufgestellt und eine Leiter vorsichtig heruntergelassen. Deljla gab Hornblower noch die Anweisung in der Gig zu bleiben und stieg hinter Zorunn die Leiter hoch. Diese grüsste die Flagge und wurde dann selbst offiziell vom ersten Offizier der Endymion begrüsst. Deljla lüftete ihren Hut nicht in Richtung Nationale, sondern nahm ihn gänzlich ab, um den ersten Offizier zu begrüssen.
John Whitby, ein alter Bekannter, war schon immer ein langweiliger Mensch gewesen. Dinners beim Konteradmiral waren etwas Unterhaltsames doch Whitby kam jedesmal mit einer noch langweiligeren Quote als Deljla und das war eine Kunst. Doch heute schien Whitby ziemlich erfreut über was auch immer und begrüsste die beiden Offizierinnen höflicher als üblicherweise. Persönlich führte er die Damen in die achterste Kajüte, welche allein dem Konteradmiral vorbehalten war.
„Ah die Mädels“, begrüsste dieser sie. Admiral Galab war ein ziemlich hochgewachsener Mann der trotz seinen stolzen 40 Jahren noch immer über einen sehr dunkelbraunen Haarschopf verfügte. „Schön euch zu sehen, ich hoffe es gibt keine Reklamationen was den Tender angeht.“
Deljla und Zorunn sahen sich ratlos an „Den Tender?“, fragte letztere.
„Muh“, meinte Galab „ich meinte die Brigg“
Deljla und Zorunn versuchten ein Lachen zu unterdrücken. Der Admiral war ohne Zweifel ein meisterhafter Seemann und ein unübertreffliches Genie was Fregatten anging, doch hatten ihm die vielen Gefechte die er schon bestritten hat physisch nicht viel anhaben können, psychisch jedoch begannen sie sich jetzt mit dem Alter hervorzuheben.
„Sie ist sehr… eigen“, bemerkte Deljla um das Schweigen zu brechen, das Zorunn ausgelöst hatte, weil sie nicht wusste, worüber sie sich zuerst beschweren hätte sollen.
„Sie hat mal dem französischen Kapitän Dufour gehört, ich hab sie ihm eigenhändig abgenommen, hohoho“, fuhr der Konteradmiral fort. Deljla und Zorunn hatten ihn unter sich oft ‚Koma‘ genannt, auch wenn sie ihn eigentlich sehr bewunderten und schätzten. Zorunn ertappte sich auch schon ab und zu dabei wie sie versuchte, ihn nachzuahmen und Deljla entfuhr auch ab und zu ein ‚muh‘. Also alles in allem mochten sie ihn eigentlich, auch wenn er ab und zu richtig unangenehm werden konnte. Seine Order fielen normalerweise sehr lang, sehr deutlich und sehr kompliziert aus und wenn sie dann nicht ebenso perfekt und punktgenau ausgeführt wurden, wie es geschrieben stand, konnte er schon sehr… autoritär werden.

16.

New Orders… or not.

Galab überreichte Zorunn einen Umschlag, der eine Navy Gazette und die neusten Order beinhaltete.
„Und was habt ihr so die letzten paar Monate getrieben?“, fragte er, bemerkte aber, dass Zorunn mit den Unterlagen beschäftigt war und wandte sich deshalb an Deljla.
„Ausser vor den Küsten der Karibik herum zu cruisen und in den Kneipen herumsitzen und Leutnanten aufreissen… nichts Spezielles“, meinte sie und erntete darauf einen bösen Blick von Zorunn, die für diese Aktion extra das Lesen der Gazette unterbrach. Deljla wollte eigentlich mit einem genaueren Report über die letzten paar Monate weiterfahren, denn der letzte Satz war nur ein Scherz aber der Admiral schien es ernst genommen zu haben denn er meinte „Ah ja, hab mir eigentlich auch nichts anderes gedacht.“
„Hey, Lady Catherine hat geheiratet.“, meinte Zorunn deren Blick grad auf die Heiratsanzeige in der Gazette gefallen war.
„Wen?“
„Hmm ein unausprechlicher Name ist das, klingt skandinavisch wenn du mich fragst, aber er ist ein Captain.“
„Oha, na dann, alles Gute“, meinte Deljla.
„Sag mal, Deljla“, kam es vom Tisch, wo der Admiral sich hingesetzt hatte.
„Wie sind eigentlich so deine Messekameraden? Ich hab gehört ihr wart unterbemannt als ich euch die Brigg überliess“
„Ah, ja, wir haben einen hervorragenden Ersten, Mr Pullings. Er ist nicht nur talentiert sondern sieht auch noch gut aus.“
„Ah, Pullings, ja ja den wollte man auf der Beagle nicht mehr haben, ich glaub in Ihm steckt ein kleiner Päderast verborgen, ha-hmmm“, warf Galab dazwischen.
„Ach was. Die anderen Offiziere sind auch ganz okay, da haben wir Hirnblower…“ „Ha-hmm“, kam es von vor der Tür wo der Leutnant stehen gelassen wurde, Galab blickte auf, es passierte oft, dass sein charakteristisches Räuspern kopiert wurde.
„Hornblower“, fuhr Deljla fort und meinte bedeutend leiser „der nichts wirklich im Griff hat. Dann haben wir einen irren Schotten…“
„Wir sollen WAS??“, rief Zorunn ungläubig dazwischen. Galab der eine Reaktion von Zorunn schon länger erwartet hatte, zuckte unschuldig mit den Schultern „Tut mir ja Leid, aber jemand muss es tun.“
„Warum ausgerechnet wir?!“, fragte Zorunn entgeistert. Galab seufzte und Deljla fragte, worum es überhaupt ging. „Wir sollen nach Portsmouth? Wieso?“, fragte Zorunn an den Konteradmiral gerichtet.
„Ja, es tut mir ja Leid, aber die ollen Franzosen wollen uns einfach nicht in Ruhe lassen, ich hab langsam wirklich das Gefühl die mögen uns nicht.“
„Hier hat es auch Franzosen!“, rief Deljla dazwischen, die nur schon vom Hören des Namens der englischen Hafenstadt alarmiert wurde.
„Das ist kein Argument.“, bestimmte Galab. „Was habt ihr nur gegen England? Ich dachte, ich mach euch mal eine Freude, dann könnt ihr eure Liebsten wieder sehen!“
„Nein, das dachtest du nicht.“, antwortete Zorunn, die genau wusste, dass Galab wusste, dass die beiden Mädels ‚ihre Liebsten‘ überall hatten, nur nicht in England.

17.

Physical Facts

Galab seufzte. „Was ist denn das Problem, Mädels? Geht’s um die Atlantik Überquerung? Vor euren Gläubigern und der Polizei kann ich euch schon beschützen lassen und so lange müsstet ihr auch nicht auf dem Festland bleiben…“
„Und vor den Ex-…“, murmelte Deljla, brach jedoch ab, weil Zorunn auf sie zu ging und ihr die Unterlagen in die Hand drückte. Deljla überflog die Order kurz.
„Ich will nicht nach Portsmouth! Kann nicht jemand anderes Blockadendienst schieben?“, meinte Zorunn vorwurfsvoll.
„‚Die Anderen‘ befinden sich bereits vor Spanien, in Schweden, Italien, am Nil, in Alaska-…“
„Alaska?!“, unterbrach ihn Zorunn.
„Joa, Alaska und Grönland, im Falle dass Napoleon uns hinterrücks über die Nordwestpassage angreifen sollte. Genialer Einfall von Admiral Bonden. Ein Genie, dieser Mann…“, antwortete Galab.
„Befindet sich der nicht in Indien?“, fragte Zorunn.
„Jap, Ostindien.“, berichtigte sie Galab.
„Ah. Schön warm da.“, meine Zorunn.
„Jap.“
„…“, Zorunn warf einen vorwurfsvollen Blick zu Galab.
„… Was?“
„Hier ist es auch schön warm.“, kam Deljla Zorunn zur Hilfe.
„Ach, Kinder, es ist ja nur ein Ferienausflug nach England!“
„Nein, das ist es nicht, es ist eine anstrengende Reise, und mehrere stressige Tage in den Seitenstrassen einer stinkenden, verregneten Stadt, in England.“, widersprach Zorunn.
„Du weisst, dass du dich meinem Befehl nicht widersetzen kannst? Schliesslich bin ich Konteradmiral und du nur Kommandantin“ Zorunn seufzte.
„Und du bleibst hier?“, fragte Deljla.
„Höh?“
„Na hier, in der Karibik“
„Ja.“, meinte Galab und unterdrückte tapfer ein Grinsen.
„Das ist so unfair!“, sagte Deljla enttäuscht. Galab erhob sich, seufzte und trat an die Fensterfront. Er überlegt eine Weile und meinte dann in einem schon viel vertraulicheren Ton:
„Ich glaube der junge Mr Harwood hat in den letzten Wochen zuviel Sonne gekriegt.“ Zorunn und Deljlas Mienen hellten sich auf.
„Ich denke ein bisschen englischer Regen wird ihm ganz gut tun, gib mir den blöden Zettel.“ Doch anstatt die Order zurückzugeben, jauchzten die beiden und sprangen Galab um den Hals mit sehr vielen Sätzen, die aber eigentlich nur die fünf Worte „Danke“ „Du bist der Grösste“ beinhalteten.
„Ha-hmm“, meinte er um die beiden abzuwimmeln. Sie strahlten glücklich.
„Na dann, mal sehen, was ich mit euch mache. Ihr wolltet euch noch beschweren?“ Das Lächeln erlosch augenblicklich. Deljla warf einen unsicheren Blick auf Zorunn, in der Hoffnung sie damit zum Sprechen zu bringen.
„Also… ein Neunpfünder, funktioniert teilweise nicht.“, gestand Zorunn.
„Teilweise?“, wunderte sich Galab.
„Montags, Donnerstags, Freitags, Samstags und Sonntags?“
„Aha. Merkwürdig.“
„In der Tat.“
„Und der andere?“
„Der andere was?“
„Der andere 9-Pfünder…“
„Du meinst DIE anderen…“
„Wie, die anderen…?“
„Wir haben NUR 9-Pfünder.“
Galab blickte mehr als erstaunt drein. „Wie viele?“
„Elfeinhalb… also Zwölf“, korrigierte sich Zorunn.
„Meine Fresse!“, rief Galab, schon halb amüsiert. „Wenn ich die Ringel nicht vor 10 Minuten mit eigenen Augen gesehen hätte, würd ich euch das nicht abnehmen. Das Schiff kann doch dieses Gewicht unmöglich tragen!“

„Kann sie nicht?“, fragte Zorunn entgeistert.
„Na, ihr scheint ja wohl auf übergrosse Rohre zu stehen, ha-hmm“ Deljla grinste, doch Zorunn fand es überhaupt nicht witzig.
„Ein so kleines Schiff kann so grosse Kanonen unmöglich tragen, nein, das geht nicht. Nehmt Karronaden, die sind viel leichter. Wie um Himmels Willen seid ihr bis jetzt vorwärts gekommen?“
„Keine Ahnung“, meinte Deljla, die jetzt an Galabs Tisch stand und seine Trauben verputzte. „Frag Pullings.“ Galab schaffte es im letzten Augenblick ein abwertendes „Frauen…“ zu unterdrücken.
„Also, Karronaden, Mädels. Ich geb euch dafür aber noch meinen bronzenen schwedischen 12 Pfünder. Ich habe die Kanone anno ’94 von einer schwedischen Yacht geschenkt bekommen, als ich eine Nichte des Königs rettete. Seitdem heisst die Kanone Prinzessin Sophia. Ich bohre selbst jede Nacht in ihr rum, um sie noch feiner zu machen… Ich meine, ich bohre das Rohr der Kanone feiner aus, ha..hmmm.“ Deljla kicherte doch Zorunn guckte nicht allzu begeistert, geradezu kritisch sogar.
„Einen schwedischen 12-Pfünder?“
„Einen *legendären* schwedischen 12-Pfünder“, bemerkte Galab.
„Und sonst?“, fragte Zorunn.
„Ähm… Ich kann euch noch zehn 12-Pfünder Karronaden geben.“
„Zwölf.“, bestimmte Zorunn.
„Ja, 12-Pfünder.“
„Nein, zwölf Karronaden.“
„Zwölf 12-Pfünder?! Dann aber ohne den Schweden. Oder zehn 12-Pfünder mit.“
„Zwölf und den Schweden.“, beharrte Zorunn.
„Wieso…“, begann Deljla, musste dann aber kräftig husten, weil sie sich an einer Traube verschluckt hatte.
„Wieso was?“, fragte Zorunn ungeduldig. Deljla hustete und lief rot an, erholte sich aber gerade in dem Moment, als Galab ihr zur Hilfe eilen wollte.
„Wieso nehmen wir Sophia nicht als drehbare Heckkanone?“ Zorunn guckte Deljla entgeistert an „Seit wann weisst du, was eine drehbare Heckkanone ist?“
Deljla zuckte mit den Schultern „ab und zu überkommt’s mich einfach.“ Zorunn fand die Idee gut.
„Also gut, zehn Karronaden und die Kanone.“, meinte sie.
„Sehr gut.“, meinte Galab und setzte sich wieder an seinen Schreibtisch um die Dokumente den neuen Vereinbarungen entsprechend anzupassen.
„Aber mit Prinzessin Sophia müsst ihr aufpassen. Sie wird schnell heiss und bockt dann.“, meinte er beiläufig und blickte auf, als Deljla schon wieder zu kichern begann. „Öhm… also nicht zu schnell hintereinander schiessen. Weil sonst machen sie sich doch die schönen Decksplanken kaputt und sie schiesst ungenau.“
„Schon klar“, meinte Zorunn und lächelte glücklich.

18.

Secrets

In der Barkasse öffnete Zorunn die neuen Order, während sich Hornblower mit dem Postsack abmühte, weil er von Deljla gehetzt wurde.
„Alles in Ordnung?“, fragte Deljla Zorunn. Zorunn die noch am Lesen war, nickte.
„Jap, alles Okay. Wir kriegen also die elf neuen Stücke. Ich denke, das sollten wir bis morgen haben, und dann…“
„Was dann?“, fragte Deljla.
„Dann segeln wir für das nächste halbe Jahr offiziell als Freibeuterinnen durch die Karibik!“, rief Zorunn feierlich. Deljla fielen fast die letzten Trauben aus der Hand, die sie noch aus Galabs Messe hatte.
„Was, nein, wirklich?! Wow, das ist ja grossartig, mannomann, der Alte hat’s echt drauf!“ Zorunn kicherte und legte die Order beiseite. Dann blickte sie Deljla eine Weile lang an, bis es ihr auffiel und sie mit vollem Mund fragte; „Was guckst du so?“
„Naja, der Admiral hat noch was Anderes geschrieben…“
„Was?“
„Naja… er hat mir anvertraut… dass… Also, falls er ein Neues Schiff kriegen würde, ein Linienschiff zum Beispiel…“
„Sag’s einfach!“
„Dass wenn ich dann den Rang des Kapitäns schon erreicht haben sollte… wir die Endymion erhalten.“
„Wir würden die Endy kriegen?!“, rief Deljla laut und völlig begeistert. Zorunn lächelte.
„Wow, das ist was! Wir müssen ihm viel bedeuten, wenn er uns die Endy anvertrauen würde.“
„Ja und wie! Ich geniesse dieses Angebot als völligen Vertrauensbeweis für unsere kompetente…“, begann Zorunn in träumerischem Tonfall.
„Ja, ja ja“, unterbrach Deljla sie. „Wo segeln wir hin?“
„Wo würdest du denn gerne hin?“
„Aus vertraulichen Quellen weiss ich zufällig, dass sich die Rainbow irgendwo vor Florida Keys herum treibt… „
„Soso, die Rainbow, sagst du?“
Deljla nickte. „Aye.“
„Vertrauliche Quelle?“
„…“
„…“
„…“
„Florida Keys?“, fragte Zorunn.
„AYE!“, bestätigte Deljla.

„Ma’am“, Pullings grüsste die Kommandantin.
„Was gibt’s?“, fragte diese.
„Ist es wahr, dass wir Kurs auf Florida Keys genommen haben?“
„Aye.“
„Dürfte ich etwas dazu sagen, Ma’am?“

„Natürlich, Lieutenant, fahren Sie fort.“ nickte Zorunn.
„Man munkelt unter der Mannschaft, dass sich ein paar Meilen nördlich des Keys eine Piratenzitadelle befindet.“
„Soso. Und unter wessen Herrschaft soll sich diese befinden?“
„Ich weiss es nicht, Madam aber ich werde die Ohren offen halten.“
„Tun Sie das, Sir, tun Sie das.“, meinte Zorunn „Ach ja, und Mister Pullings?“ Pullings hielt an und drehte sich um. „Bitte nennen Sie mich nicht Ma’am. Commander oder Miss, wenn’s beliebt, ich fühle mich sonst so schrecklich alt.“, sagte sie und zwinkerte dem Leutnanten zu.
Indem Moment kam Deljla an Deck.
„Was wird denn hier gezwinkert?“, fragte sie schnippisch. Zorunn zuckte mit den Schultern „Nix.“
„Hat aber nicht nach nix ausgesehen!“ antwortete Deljla trotzig.
„Deljla, bitte.“
„Wie du deine Offiziere behandelst, spielt auch für mich eine Rolle!“, entrüstete sich sie sich.
„Deljla…“
„Weisst du was? Es ist mir egal, mach doch was du willst, es geht mir am A*beep!* vorbei.“, rief Deljla und stampfte wütend Richtung Niedergang. Zorunn überlegte, ob sie sie zurückrufen sollte, um ihr zu sagen, was sie sagen wollte (die Leutnantin hatte ihr ja mal wieder keine Chance dazu gegeben), beschloss dann aber es nicht zu tun. Sie würde es schon noch erfahren, wenn es so weit ist…

19.

Acoustics

„Mr. McLear!“, rief Zorunn quer über das ganze Schiff.
„Aye Ma’am?“, kam es vom von vorne zurück.
„Wie viel Fahrt machen wir, Mr. McLear?“, schrie Zorunn zurück.
„Neun Knoten Ma’am“, meinte der 2. Leutnant jetzt in normaler Lautstärke, da er bei der Kommandantin stand.
„Oh, das ist gut“, erwiderte Zorunn. „Mit den alten Stücken haben wir nie so viel Fahrt gemacht!“
„Das ist kein Wunder Ma’am“, schaltete Föhnrich Hornblower dazwischen. „Ich habe zusammen mit meinen Messekameraden mal ausgerechnet, wieviel die Kanonen vorhin gewogen haben und wieviel die neuen Karronaden im Gegensatz zu…“ seine Stimme verlor sich an Deck, als sich Zorunn von ihm abwendete und sich zum Heck der Ringel Bimmel begab. Ihre Gedanken schweiften in die Ferne, zurück nach St.Kitts und weiter bis nach London, als ihr plötzlich Galabs Worte wieder durch den Kopf schossen.
„Ich habe die Kanone anno ’94 von einer schwedischen Yacht geschenkt bekommen, als ich eine Nichte des Königs rettete. Seitdem heisst die Kanone Prinzessin Sophia…“ Ihre Gedanken blieben noch lange an dem fernen Land haften und an dessen Königs Nichte, bis es vom Ausguck plötzlich
„Land voraus!“, lautete.
„Das ist doch lächerlich, wir segeln schon seit einem Tag der Küste entlang“, meinte Zorunn zu Pullings, der an Deck getreten war und blickte über Steuerbord zum Küstenstrich hinter dem sich die Palmen in einer grünen Linie durchzogen.
„Ich glaube er meint Port Royal, das vor uns liegen sollte, Ma- … Commander.“
„Achso!“, antwortete Zorunn. „Haben wir einen Grund, weswegen wir halten sollten, Mr. Pullings?“
„Nicht was das Schiff betreffen würde, Miss.“
„Aha, und was für andere Gründe würden denn für eine Nacht in Port Royal sprechen?“ Pullings zögerte eine Weile. „Nun, das Nachtleben da soll ziemlich reinhauen, habe ich gehört.“ Zorunn versuchte zu definieren was ein Offizier in Pullings Alter unter einem „reinhauenden Nachtleben“ verstehen könnte, der Begriff passte außerdem so gar nicht zum Lieutenanten. Zorunn kam in Gedanken daran nur auf billige Pubs, billige Bordelle und Krankheiten und befahl, dass es direkt weiter nach Florida gehen soll.

Gute 10 Minuten später kam Deljla an Deck, um zehn Minuten zu spät ihre Wache zu beginnen.
„Hey, wieso liegt die Stadt so weit steuerbords?“, rief Deljla Zorunn zu, kaum war sie an Deck.
„Weil wir die Insel umsegeln.“, antwortete die Kommandantin.
„Aber Zorunn, Port Royal hat das spektakulärste Nightlife im Karibischen Raum!“
„Und wir haben ein festes Ziel, das wir erreichen wollen.“
„Aber sogar Galab hat es uns empfohlen!“
„Hatte er das?“, fragte Zorunn verwundert.
„Naja, er hatte es mir empfohlen. Er meinte, da würden die Nächte richtig reinhauen.“
„Hast du das Pullings auch gesagt?“
„Ja, wieso?“
„Ach, einfach so.“
„Wieso kommst du jetzt schon wieder mit Pullings, was läuft da zwischen euch?“
„Da läuft gar nichts, sonst hätte ich ja wohl nachgegeben, was Port Royal angeht.“
„Was, er wollte auch hin?“
„Jap.“
„Dann lass uns halsen, komm schon es ist doch Donnerstag!“, bettelte Deljla.
„Nein, auf keinen Fall, wir werden nach Florida segeln, die Rainbow stellen und erobern. Danach können wir uns von mir aus das Port Royaler Nachtleben gönnen. Okay?“
„Okay.“, meinte Deljla trotzig. „Wann sind wir denn endlich da?“
„Ich weiss es nicht.“, erwiderte Zorunn langsam leicht genervt.
„MR MC’LEAR!“, schrie Deljla neben Zorunn so laut, dass ihre Stimme auch ganz sicher bis zum Vorsteven reichte.
„AYE MA’AM?“, kam es von vorne über die ganze genervte Manschaft hinweg zurück.
„WANN WERDEN WIR VORAUSSICHTLICH DAS GEWÄSSER VOR FLORIDA KEYS ERREICHEN?“, krähte Deljla zurück.
„ICH WÜRDE MAL SCHÄTZEN SO IN ETWA 2 TAGEN WENN DER WIND SO BLEIBT WIE ER IST!“, dröhnte es von vorne zurück. Zorunn war froh, dass die endlich aufhörten zu schreien und zog sich die Finger aus den Ohren, als neben ihr „DANKE MR. MC’LEAR!“ erklang und von vorne ein „KEINE URSACHE LIEUTENANT!“ zurück kam.
„So habt ihr’s?“, fragte Zorunn Deljla nun entgültig genervt, es aber besser verbergend als die Mannschaft unter Deck.
„AYE AYE, MA’AM!“

20.

That small difference

„Schon wieder da?“, begrüsste Pullings Deljla als sie in die bescheidene Offiziersmesse trat.
„Ja.“ Pullings, der genau wusste, dass Deljlas Wache noch nicht mal halb abgeschlossen war, enthielt sich eines weiteren Kommentars und fragte stattdessen, ob Deljla ihm die Gazzete reichen würde.
„Oh, sieh mal einer an, die Worthings heiraten! Dass ich das noch erleben darf!“, rief er vergnügt als er eine Weile herumgeblättert hatte.
„Wer sind die Worthings?“, fragte Deljla.
„Freunde der Familie, die absolut schlimmsten Menschen die ich kenne!“, rief er und kicherte vergnügt.
„Was ist denn so schlimm an denen?“
„Nun, Mr. Worthing ist ein alter Geizhals, den seine Frau nur wegen des Geldes geheiratet, wenn sie denn überhaupt einen Grund hatte, die ist nämlich dämlich wie Heu. Und deren Sohn Mr. Worthing Junior, kam als dummer reicher Junge zur Welt und lernte kaum was dazu. Und dann soll er ausgerechnet Miss Applegate heiraten, nein, das ist köstlich!“
„Wieso, was ist denn mit Miss Applegate?“, fragte Deljla neugierig, welche auf keinen Fall das Gespräch enden lassen wollte und sich nebenbei auch brennend für jede Art von Klatsch über die britische Oberschicht interessierte.
„Miss Applegate? Oh das ist ein wirklich schreckliches Ding! Sie ist noch nicht mal so dumm, nein, eigentlich ganz gewitzt, aber sie labert und labert, es ist wirklich schlimm. Wenn sie mal damit angefangen hat, sprudelt es aus ihr wie ein Wasserfall, und dann redet sie auch noch über enorm belanglose Dinge, die niemanden auch nur im Entferntesten jemals interessieren könnten. Mr. Worthing scheint wohl Gefallen an jenen Eigenschaften gefunden haben, das macht ihn mir gerade noch suspekter…“, meinte Pullings. Deljlas Stimmung sank von ganz weit oben auf Null.
„Ist das der Punkt an ihr, dass sie zuviel labert? Ist das denn so verwerflich?“, fragte sie kritisch.
Pullings nickte, grinste noch immer, ihn amüsierte die ganze Sache wirklich.
„Ich finde eine Frau sollte wissen, wann sie zu schweigen hat. Und zuviel zu reden ist sowieso eine schlechte Eigenschaft, das verdirbt den Charakter und schlägt auf das Gemüt anderer Leute.“ Das traf Deljla noch mehr, also meinte sie nur „Aha.“ und überliess den Leutnanten seiner Lektüre.

„Welche Laus ist dir denn heute über die Leber gekrochen, meine Liebe?“, fragte Zorunn, welche Deljla wie jeden Abend zu sich in die Kabine eingeladen hatte, nachdem Deljla trübsinnig und unmotiviert ihr Weinglas in der Hand drehte.
„Am Wein kann’s nicht liegen, das ist bester-…“
„Rioja, ich weiss.“, unterbrach Deljla sie. Zorunn blickte ihre Freundin betrübt an.
„Geht’s um Mr. Pullings?“
„Ja.“
„Geht’s darum, was ich zu Mr. Pullings gesagt habe?“
„Nein.“
„….“
„Heute in der Messe hab ich ihm unsere Gazzete gegeben und er hat die Heiratsanzeige der Worthings entdeckt.“
„Was er kennt die auch? Nein das ist ja köstlich, ich sag’s dir diese Leute sind strohdumm und reich wie Sau, das glaubst du gar nicht!“, rief Zorunn begeistert und lachte, wie Pullings es ein paar Stunden zuvor getan hatte. Deljla warf ihr einen vernichtenden Blick zu und fuhr fort.
„Das ist es, was er auch gesagt hatte. Und dann meinte er…“, sie stockte einen Moment und hatte enorme Schwierigkeiten damit, ihre Tränen zurückzuhalten, was Zorunn gerade entging da sie sich noch mehr Rioja ins Glas einfüllte.
„Er hat angefangen über die zukünftige Mrs Worthing zu lästern, weil sie soviel redet… und dann sagte er, dass er es hasst, wenn Frauen zuviel reden, da hätte er mir ja auch gleich ins Gesicht sagen können, dass er mich hasst!“ Zorunn blickte auf. „Herzchen, ich glaube nicht, dass Pullings dich damit in irgendeiner Weise treffen oder verletzen wollte.“ Deljla war die blanke Enttäuschung anzusehen, Zorunn nahm sie in den Arm.
„Sieh mal, ich denke es ist halt so, dass… naja, dass dich Thomas nicht unbedingt zu den Frauen zählt. Das tut Keiner der Mannschaft. Glaube ich…“
Deljla blickte Zorunn empört an.
„… Aber das ist sehr gut so, wirklich!“, beschwichtigte Zorunn sie sofort. „Stell dir mal vor, deine Corporals sehen dich nur als potentielle Ehefrau!“
„Sie können mich auch als Frau sehen ohne mich grad heiraten zu wollen.“, erwiderte Deljla.
„Nein, können sie nicht, es sind immer noch Männer…  Männer sind simpel. Wenn sie sagen, dass sie keine Frauen mögen, die viel reden, dann meinen die damit nicht zwingend, dass Frauen keine Stimmen haben sollten. Schon auch, denn leider ist auch diese Fantasiewelt ein strenges Patriarchat, um wenigstens einigermassen glaubwürdig zu wirken, aber er meinte damit nur, dass ihn das an Ms Applegate nervt. Und es stimmt ja auch, sie ist nervig und ihre quäkige Stimme ist ihre nervigste Eigenschaft…“ Zorunn verlor den Punkt, den sie eigentlich machen wollte.
„Aber er sagte, er findet das das Schlimmste an ALLEN Frauen.“
„Männer müssen immer alles verallgemeinern, weil sie simpel sind.“, beschwichtigte Zorunn. Das brachte Deljla zum Lachen. Damit hatte Zorunn geschafft, was sie wollte.
„Pullings stammt aus einem Umfeld, wo er gelernt hat, solche Dinge zu sagen, ohne über Konsequenzen oder deren Bedeutung nachzudenken. Er wollte dich damit nicht diskriminieren, auch wenn er es getan hat, also nimm die Sache in der Messe nicht persönlich.“
„Tu ich nicht.“, antwortete Deljla erleichtert aber trotzig und wischte sich ein Tränchen von der Wange.

21.

Sightseeing

Deljla seufzte und drückte Zorunn dankbar. In dem Moment schneite Hornblower unangemeldet in die Kabine. Er war so aufgeregt, dass er erst viel später kapieren würde, in welcher Position er die beiden Marineoffiziere soeben erwischt hatte, und er würde sich auch erst viel später darüber freuen… ha hmm.
„Co- Commander! Die Rainbow steht backbord voraus und wendet gerade, um das Feuer auf uns zu eröffnen!“ Zorunn riss Hornblower mit den Worten „Danke, Hirnblower!“ das Fernrohr aus der Hand und stürmte aus der Kabine ohne Horny’s „Hornblower, Ma’am!“ zu hören. Deljla eilte hinterher und bat den Wachen an der Tür, ihr ihr eigenes Fernglas zu bringen. Schon standen die beiden vorne am Bugspriet und spähten in die Dunkelheit, um das feindliche Schiff näher zu betrachten.
„Da sind sie!“, sagte Zorunn aufgeregt und schubste Deljla an die Stelle, von der aus sie die Brigg besser sehen konnte.
„Sie feuern auf uns“, stellte Deljla fest. Sie zählte bis drei und die Kugel schlug etwa fünf Meter vor der Spitze des Bugspriets ins Wasser.
„Jap, tun sie.“, bestätigte Zorunn.
„AUF GEFECHTSTATION!“, rief Deljla und die Briggsloop wurde sofort gefechtsklar gemacht.
„Wie viele?“, fragte Deljla Zorunn.
„Weiss nicht. Mr. Mc’Lear?“
„Aye, Ma’am?“, fragte der langhaarige Leutnant.
„Sie kennen die Rainbow aus früheren Tagen, oder?“
„Aye Ma’am.“, antwortete er und grinste breit.
„Was gibt es da zu grinsen?“, fragte Zorunn, der Mc’Lears Gesuchtsausdruck trotz der Dämmerung nicht entgangen war.
„Nichts, Ma’am.“, erwiderte der Leutnant frech.
„Stückzahl?“
„14.“
„Okay, Danke.“ Zorunn wendete sich Pullings zu, der erwartungsfreudig meldete, dass die Stückmanschaften bereitstünden.
„Sie drehen bei!“, informierte Deljla die immer noch durchs Fernrohr guckte.
„Auf meinen Befehl, Mr. Pullings.“, meinte Zorunn, Pullings grüsste und begab sich hurtig wieder unter Deck.
„Was hast du vor?“, fragte Deljla.
„Ich werde sie in Stücke schiessen.“, antwortete Zorunn und grinste.
„Und was ist mit dem Gold?!“
„Mit welchem Gold?“, fragte Zorunn verwirrt.
Deljla schwieg einen Moment. „Ach nichts, vergiss es.“, sagte sie dann geschwind.
„Deljla…“, begann Zorunn, die ihre Freundin mal wieder durchblickt hatte, bevor die überhaupt selber wusste, was sie dachte. „Wenn da tatsächlich Gold an Bord wär und du es mir nicht sagen willst, weil du denkst du kannst es dann für dich allein behalten, denkst du mal wieder verkehrt denn wie zum Teufel würdest du das Gold denn vom Wrack der Rainbow wegbringen, wenn du kein Schiff hast?“
Deljla überlegte einen Moment. „Mit der Jolle?“
„Deljla!“
„Ja, klar, ich könnte meine Männer bis nach Florida Keys pullen lassen und dann das Gold da irgendwo vergraben, mich vom Admiral abholen lassen und es dann irgendwann später wenn ich es brauche ausgraben gehen.“
„Deljla…“
„Es ist ein Plan, oder?“
„Ist da Gold an Bord?“
„Meines Wissens nach an die 2000 Pfund in Gold, welches sie von einem spanischen Schatzschiff erbeutet haben, letzten Monat.“
„Okay, gut. Danke. MR PULLINGS!“, rief Zorunn. Von unten kam ein gedämpftes aber erwartungsfreudiges „Ja?“
„PLANÄNDERUNG, fahren sie die Kanonen so ein, dass Sie sie in zehn Sekunden wieder draussen hätten, wenn’s sein muss. Wir werden keinen offensiven Angriff starten.“ Von unten kam ein gedämpftes und leicht enttäuschtes „Aye, Miss.“ Zorunn richtete das Wort an Deljla und Hornblower, die noch immer zum anderen Schiff rüberlinsten.
„Deljla, Hirni, sind Ihnen teure Briggs bekannt, die hier in der Umgebung auftauchen könnten?“ Hornblower der ein bisschen schneller dachte als Deljla (was kein Kunststück ist) antwortete: „Ja, da gibt es ein holländisches Frachtschiff namens Kloivert die soll stets mit abendländischen Schätzen aufkreuzen.“
„Sehr gut, Hirnblower, hissen Sie die holländische Flagge.“
„Aye, Ma’am. Mein Name ist übrigens-…“
„Deljla!“, unterbrach Zorunn den Jungen, der sich darauf enttäuscht unter Deck begab.
„Jo?“
„Wie sieht die Kloivert aus?“
Das war nun endlich Deljlas Gebiet. Sie kannte jede Lackierung jedes der Royal Navy bekannten Schiffes.
„Grün-orange, Stückpforten Goldbraun wie der Rest.“
„Okay, Manöver einleiten zum Halsen. Wir ergreifen die Flucht.“, befahl Zorunn.

22. A good Plan

Es war schon dunkel, als die Ringel Bimmel der Rainbow ihr Heck zeigte, welche noch ein paar unmotivierte Warnschüsse auf die Brigg feuerte, bevor diese im Schutz der Dunkelheit verschwand.
„Wir werden heute nicht viel Schlaf bekommen“, prophezeite die Kommandantin der feigeren Brigg.
„Ich bezweifle, dass wir genug Farbe an Bord haben, Captain“, meinte Deljla. „Wieso hört denn niemand auf mich, ich war schon lange für die Idee immer ein grosses Set an Grundfarben dabei zu haben!“
„Was sind Grundfarben?“
„Gelb, Rot und Blau“
„Werden die nicht erst um 1850 herum erfunden?“
„Ach was, die Farben gab’s schon immer.“, erwiderte Deljla.
„Ja, aber deine Aussage basiert doch auf der subtraktiven Farbsynthese!“
„Ja.“
„Und die wird erst im 19. Jahrhundert das erste Mal erwähnt.“
„Aber Newton befasste sich bereits 1670 damit“, antwortete Deljla.
„Achso!“, meinte Zorunn erstaunt.
„…Und aus diesem Grund haben wir keine Farbe an Bord?“, schlussfolgerte Deljla falsch.
„Nein, wir haben keine Farben an Bord weil sie so bestialisch stinken!“
„Achso ok. Aber ein bisschen schwarze Farbe haben wir noch, oder?“
„Ja, ich werde unseren Namen übermalen-..“
„Wurde auch endlich Zeit.“, redete Deljla drein.
„… und dann kreuzen wir im Morgengrauen wieder zur Rainbow auf, was kein Problem sein dürfte da sie uns sowieso verfolgt.
„Okay, klingt nach einem Guten Plan“, grinste Deljla. Zorunn zwinkerte ihr zu und begab sich unter Deck.

Im Morgengrauen nachdem aus der Ringel Bimmel schon lange ein schlechtes Kloivert-Fake geworden war, stand die Rainbow pünktlich wie der Glockenschlag vor der Kimm.
„Wunderbar, genau wie ichs gesagt habe.“, meinte Zorunn die die andere Brigg durch das Fernrohr beobachtete.
„Wir müssen an Fahrt verlieren. Sie müssen uns als potentielle Prise sehen“, befahl Zorunn.
„Die holen schon auf“, meinte Deljla, die neben Zorunn stand und die Piraten durch ihr eigenes Fernrohr beobachtete. Sie trug nur ein Hemd, was Zorunn zu der Frage nach Ihrem Uniformrock veranlasste.
„Der wird gerade gewaschen“, antwortete Deljla.
„Wieso?“
„Mir lief gestern ein bisschen Kerzenwachs über den Ärmel und da hab ich bemerkt, dass er ganz viele Flecken hat. Also hab ich ihn Hirni gegeben, um ihn zu waschen.“
„Aha“, meinte Zorunn nur, die die Idee auch gut fand, da ihr eigener blauer Uniformrock auch ziemlich schmutzig war. Drei Minuten später standen beide Mädchen nur in Hemd und Hose an Deck und schlürften genüsslich ihre Tasse Tee, während sich der arme Hornblower unter Deck damit abmühte die Uniformen sauber zu bekommen und die Sonne am Westen langsam aufging.
„McLear, wie lange?“, fragte Zorunn den Leutnanten.
„Die werden gleich Segel setzen und uns dann wohl in zwei Stunden aufgeholt haben.“
Deljla blickte durch das Fernrohr und sah die weissen Flächen der Rainbow auswallen. Die Beute, die wiederum die Ringel Bimmel als Beute sah, setzte gerade Vollsegel.

Zwei langweilige Stunden später, in denen Zorunn Deljla mal wieder vergeblich versuchte, Schach beizubringen, segelte die Rainbow schon in ihrem Fahrtwasser.
„Wieso feuern die nicht auf uns?“, fragte McLear, der auch keinen Uniformrock mehr trug (Befehl des Captains, schliesslich waren sie keine englische Brigg mehr) die beiden Damen, als sie das Deck betraten.
„Weil wir Schiesspulver aus Indien geladen haben, vermutlich.“ antwortete Zorunn.
„Aha, verstehe.“, antwortete der Mann komplett verwirrt.
Zorunn warf gerade einen Blick in die Toppen, wo Deljlas Scharfschützen unter Leinensegeln versteckt lagen, als die erste Nachricht der Rainbow herüberschallte.
„Holländische Brigg Kloivert, hier spricht Sven, der Piratenfürst der Rainbow. Bitte streichen Sie augenblicklich Ihre Flagge!“
„Geen, Mens!“ rief Zorunn herüber.
„Gen- Mens?“, fragte Deljla verdutzt. „Was willst du damit sagen?“
„Das ist holländisch und heisst soviel wie ‚Nein, Gentlemen'“, antwortete Zorunn. Wenn man es genau nahm, hiess es sogar ‚Nein, Mann‘ aber das machte keinen Unterschied, da Sven sowieso kein Holländisch verstand.
„Bitte drehen Sie bei oder wir sehen uns gezwungen, das Feuer auf Sie zu eröffnen!“
„Okay!“, rief Zorunn zurück und befahl die Segelfläche noch mehr zu verringern. Die Rainbow holte auf und befand sich bald Bordwand zu Bordwand mit der Ex-Ringel Bimmel.

Zorunn, die die Entermanschaften schon lange bereitstehen hatte, war eine Runde schneller als die andere Entermanschaft und schon reichten Planken vorne am Bug der Ringel rüber zur Rainbow und Enterhaken hingen in ihrem Rigg.
Sven hatte aber auch seine Enter-Ideen: Während die Kloivert auf ihr Schicksal warten sollte, würde er übers Achterdeck ihr Deck entern. Damit aber
enterten die beiden Manschaften direkt aneinander vorbei. Sowohl Zorunn als auch Sven waren herzlichst überascht als sie sich jeweils auf dem fremden Deck alleine wiederfanden. Doch wieder mal reagierte Zorunn schneller und liess sofort alle Planken ins Wasser fallen und die Rainbow ein bisschen abdrehen. Jetzt konnte sie sich auch des Piratenfürsten Sprachrohr leihen.
„Ich finde wir sollten uns mal über den status quo unterhalten“, rief Zorunn rüber zu ihrer eigenen Brigg. Der Anblick schmerzte sie zutiefst, denn schliesslich war es wirklich ihre Brigg!
„Über das was???“, rief Sven herüber.
„Ihr seid auf meinem Schiff!“, rief Zorunn, der die augenblickliche Situation immer weniger gefiel.
„Ja, und ihr auf meinem!“, rief Sven. Darin hatte er auch vollkommen recht. Zorunn fragte Pullings und Deljla, wer im Vorteil wäre.
„Wir“, antwortete Deljla, während Pullings meinte „Sie.“
„Sie haben unser Schiff unsere Ausrüstung, sogar die Scharfschützen haben sie in ihrer Gewalt“, antwortete Pullings.
„Ja, stimmt eigentlich, wie kommt’s, dass die Scharfschützen nicht in Aktion traten?“, fuhr Zorunn Deljla streng an. Diese zuckte mit den Schultern und sagte verteidigend „Wir gingen natürlich davon aus, dass die Piraten hier stehen, wo wir jetzt stehen.“
Zorunn strich sich mit der Hand die Haare zurück.
„Wir haben noch nicht mal unsere verdammten Uniformen!“, rief sie zornig. Deljla blickte betreten drein und nuschelte „Aber wir haben das Gold.“
„Ich finde, wir sollten reden!“, rief Zorunn rüber zum Piratenfürsten.
„Tun wir doch!“, schallte es von drüben.
„Typisch Mann“, knurrte Zorunn.

23.

A bad Day

„Typisch Frau“, murmelte Sven seinem Lieutenante zu. „Die wollen reden, na toll.“ Dem Piratenfürsten gefiel die Situation nicht. Er fühlte sich auf diesem hellrosarot eingerichteten Schiff nicht recht wohl, obwohl es seiner Manschaft sehr gut gefiel. Und er konnte unter seinen Füssen auch kein Gold spüren, weil dieses im Bauch der Rainbow lag, welche imme weiter von der Ringel wegdriftete.
„Sven?“, kam es plötzlich vom Schiff des Piratenfürsten.
„Ja, was?“, antwortete dieser.
„Nimm meine Barkasse und deinen Leutnanten, wir treffen uns in der Mitte. Keine Waffen!“
Sven überlegte im Moment.
„‚Keine Waffen‘ ist kein richtiger Satz, da fehlt ein Verb!“
„Es ist ein Imperativ.“, antwortete sein Leutnant.
„Mist, ja stimmt…. naja wir haben keine Wahl, ich will mein Gold zurück. Lasst das Boot da ins Wasser.“

Gute zehn Minuten später trafen sich die beiden Kapitäne zwischen ihren beiden Schiffen.
„Guten Tag, die Damen“, begrüsste Sven die beiden Offiziere freundlich.
„Hallo“, antwortete Deljla heiter. Zorunn musterte Sven mit kritischem Blick.
„Deine Männer sind auf meinem Schiff.“, sagte sie.
„Und deine auf meinem“, antwortete Sven „Das Thema hatten wir schon.“
„Richtig. Nun, da wir jetzt aber im Besitz des Goldes sind, liegt der Vorteil..“, begann Zorunn doch Sven hielt ihr plötzlich eine Pistole entgegen „…ganz sicher nicht auf der Seite des toten Marineoffiziers“, beendete er den Satz für sie. Zorunn schluckte. Deljla zögerte nicht und zog ihre Waffe. „Auch nicht auf der, des toten Piratenfürsten!“, meinte sie gelassen. „Mein Plan von vorneherein übrigens, aber das fragt ja keiner.“
Sven, der die Hand nicht rechtzeitig herumreissen konnte um die Gefahr, die ihm drohte, zu bedrohen, liess die Waffe sinken.
„Okay, okay, damit hätten wir zumindest mal die Forderung ‚keine Waffen‘ neu definiert“, meinte Zorunn.
„Wieso tragt ihr eigentlich nur Hemden?“, fragte Sven.
„Ist das nicht klar?“, erwiderte Zorunn verwundert. „Wir wollten euch weismachen wir seien die Kloivert deswegen konnten keine englischen-…“
„Wir wussten dass ihr die Ringel Bimmel seid.“, antwortete Sven. „Sowieso, was sollte ich von der Kloivert wollen, wenn ich weiss dass die eh nur Müll geladen hat, während die Ringel Bimmel…“
„Während die Ringel Bimmel was?“, fragte Zorunn gespannt. Ging es hier um die sagenumwobene Prinzessin Sophia? Ging es um den mysteriösen Neunpfünder, den sie nicht mehr geladen hatten? Versteckten sich ausländische Spione von großem Kopfgeld-Wert an Bord? Dieser McLear war ihr von Anfang an gleich suspekt…
„… während es überall bekannt ist, dass zwei Schnecken die Ringel Bimmel kommandieren“, antwortete Sven und lachte. Zorunn sprang auf, was das kleine Boot heftig zum Schaukeln brachte und Deljlas kichern abrupt beendete.
„Das ist ja die Höhe! Solch chauvinistischen Bemerkungen verbiete ich mir!“, rief Zorunn aufgebracht.
„Ruhig Blut, Captain.“, meinte Sven gelassen „Für die Emanzipation ist es noch viel zu früh, versuch’s 1960 nochmal.“ Zorunn setzte sich wieder hin und blickte den blonden Mann unentwegt in die Augen. „Wir haben 2009 und sind ideologisch noch auf demselben Stand.“, bemerkte Deljla.
„Ich will mein Schiff“, sagte Zorunn streng. „Und ich will dein Schiff.“, fügte sie an Sven gewandt hinzu.
„Ich denke, darauf werden wir uns nicht einigen können.“, sagte Sven. Plötzlich drangen Hurra Rufe von der Ringel Bimmel herüber. Alle vier wendeten die Blicke erstaunt zum Schiff.
Zorunn schrie entsetzt auf, als plötzlich eine Stichflamme aus dem Niedergang emporschoss.

„Um Himmels Willen was tun die denn da?!“, rief Sven nicht weniger entsetzt und rief zu seiner Manschaft rüber. Die schienen ihn jedoch nicht zu hören. Deljla war starr vor Schock, die Flammen griffen schon aus den Heckfenstern raus.
„Meine Uniform!“, rief Deljla.
„Mein Schiff!“, rief Zorunn und entriss Deljla die Pistole um sie Sven ins Gesicht zu halten.
„Stopp es, sag denen die sollen SOFORT damit aufhören, mein Schiff abzubrennen!“

Sven blickte die jung eFrau verzweifelt an und noch verzweifelter schrie er seiner Manschaft verzweifelte Befehle zu, die ungehört blieben. Denn die Freude über das Feuer auf der Ringel Bimmel (was auch immer das bezwecken sollte) war in helle Panik und Aufregung umgeschlagen. Die Seesoldaten waren mittlerweile auch schon aus ihrem Versteck verschwunden und ins Wasser gesprungen, um auf die Barkasse mit dem Zorunn und Deljla an Bord zuzuschwimmen, da sie näher lag als die Jollen, die hinter dem Heck der Ringel in einer Reihe dümpelten.
„Diese Schimpansen, was zum Teufel haben die getan?! Die gehören standrechtlich erschossen, sie verbrennen meine Prise!“, rief Sven aufgebracht.
„Also Erschiessung ist schon etwas hart. Was ist aus dem guten Auspeitschen geworden…?“, murmelte Deljla vor sich hin, die ansonsten aber alles andere als psychologisch präsent wirkte.
„Sie verbrennen mein Schiff!“, rief Zorunn tränenüberströmt, während sich die Ringel noch wacker und lichterloh brennend über dem Wasser hielt.

Der grösste Teil der Piraten hatte mittlerweile auch gerafft, dass der Kahn in Vollbrand stand und waren ins Wasser gesprungen. Ein paar von Deljlas Seesoldaten mit ihren durchnässten Bess’s erreichten ihre Barkasse. Deljla half ihnen an Bord.
„Danke Sergeant“, meinte einer der Jungs dankbar.
„Wo ist Johnny Brown?“, fragte Deljla verwirrt.
„Der wurde in die Entermanschaft einge-…“, begann der klatschnase Junge erstaunt zu antworten, als er von ohrenbetäubendem Lärm unterbrochen wurde. Eine riesige Explosion riss den Rumpf der Ringel Bimmel komplett auseinander.

Zorunn ließ einen lauten Schrei aus und fiel in Ohmacht. Einer der Corporals fing sie rechtzeitig auf. „Scheisse.“, meinte Sven und wurde leichenblass. Deljla bedrohte ihn mit einer Pistole und einer der Corporals hatte seine Bess auch schon wieder im Griff und diese auf Svens Ersten gerichtet.
„Gib mir die Pistole, Junge“, befahl Deljla. Sven warf sie rüber. „Oh Mann, habt ihr jetzt einen Ärger, das kannst du dir gar nicht vorstellen. Steigt in dieses Boot.“, befahl Deljla ihren Männern und  übergab denen die Pistolen der Piraten. „Haltet sie in Schacht.“ Der Sergeant schnappte sich eine Bess von einem ihrer Jungs und stieg in die Piratenjolle. Die Piraten die sich von der Ringel retten konnten, schwammen noch immer auf die Boote zu. Deljla zielte mit der Bess auf die rettenden Boote. Sie warf einen letzten Blick zu den Trümmern der Ringel, die sie so lieb gewonnen hatte und feuerte Löcher in die Beiboote.

So hatten sie den Tag nicht geplant. Niemals.

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